titelbild

70. ESC 2026 in Tallinn – wenn es nach Hannover geht

Großer Andrang bei ESC-Preview-Show im St. Clemens Haus – Estland Favorit des Abends

Der Euro­vi­sion Song Contest 2025 wirft seine Schatten voraus – und das nicht nur in Basel, wo am 17. Mai das große Finale statt­finden wird, sondern auch in Hannover. Am Abend des 25. April lud das St. Clemens Haus zur offi­zi­ellen Preview-Show ein – mit großem Erfolg: Zahl­reiche ESC-Fans aus der Region kamen zusammen, um alle 37 Wett­be­werbs­bei­träge dieses Jahres kennen­zu­lernen, gemeinsam zu disku­tieren und ihre Favoriten zu wählen.

Präsen­tiert wurde der Abend vom renom­mierten ESC-Experten Dr. Irving Wolther, der nicht nur alle Beiträge mit infor­ma­tivem Hinter­grund­wissen vorstellte, sondern das Publikum auch mit span­nenden Anekdoten und Fun Facts aus der ESC-Geschichte unter­hielt. Seine humor­volle, aber kennt­nis­reiche Art brachte selbst Kenner des Wett­be­werbs zum Staunen – etwa bei Rück­bli­cken auf vergan­gene Skandale, Kurio­si­täten und musi­ka­li­sche High­lights. Neben der Musik war auch für das leibliche Wohl gesorgt: Ein kleines Buffet mit Finger­food, Knab­be­reien und Getränken lud zum Verweilen und Austau­schen ein. Jeder Besucher erhielt einen Stimm­zettel, mit dem die persön­li­chen Top-10 gewählt werden konnten. Zusätz­lich bewertete eine fünf­köp­fige Jury die Beiträge, wodurch ein kombi­niertes Endergebnis entstand.

Estland überzeugt auf ganzer Linie
Den Sieg des Abends holte sich Estland mit dem extra­va­ganten Beitrag „Espresso Macchiato“ von Tommy Cash. Der schrille, künst­le­risch anspruchs­volle Song wurde vom Publikum und der Jury glei­cher­maßen gefeiert – ein Mix aus Perfor­mance­kunst, Sozi­al­kritik und Elektro-Rap, wie man ihn so bisher selten auf der ESC-Bühne gesehen hat. Auf dem zweiten Platz landete Schweden mit dem humor­vollen und char­manten Titel „Bara Bada Bastu“ der Formation KAJ – ein augen­zwin­kerndes Lied über das schwe­di­sche Sauna-Lebens­ge­fühl, das durch Wortwitz und landes­ty­pi­sches Flair bestach. Bronze sicherten sich die Nieder­lande mit dem Beitrag „C’est la vie“ von Claude – ein fran­zö­sisch­spra­chiger Popsong mit starker Melodie und jugend­li­cher Ausstrah­lung, der besonders durch seine Leich­tig­keit überzeugte.

Auch Deutsch­land schnitt beacht­lich ab: Das Duo Abor & Tynna belegte mit „Baller“ den fünften Platz in der Gesamt­wer­tung. Der moderne, deutsch­spra­chige Elek­tropop-Titel hatte bereits im Vorfeld für Aufsehen gesorgt, unter anderem wegen seiner auffäl­ligen Optik und dem umstrit­tenen Einsatz von Auto-Tune. Eine Disqua­li­fi­ka­tion stand jedoch nie zur Debatte – der NDR bestä­tigte, dass alle ESC-Regu­la­rien einge­halten wurden.

ESC 2025 in Basel: Ein histo­ri­scher Moment für die Schweiz
Der dies­jäh­rige Euro­vi­sion Song Contest findet am 10. Mai 2025 in der St. Jakobshalle in Basel statt – es ist der erste ESC auf Schweizer Boden seit 1989. Gastgeber ist die SRG SSR, die zusammen mit der EBU (European Broad­cas­ting Union) ein Event der Super­la­tive verspricht. Schon das Motto „Dare to Dream Again“ unter­streicht den Neuanfang nach einigen Jahren voller Unsi­cher­heiten und gibt Raum für kreative Vielfalt. Die Schweiz hatte sich den Sieg 2024 in Malmö mit dem Beitrag „The Code“ von Nemo gesichert – ein trium­phaler Erfolg, der nicht nur musi­ka­lisch, sondern auch gesell­schafts­po­li­tisch ein starkes Zeichen setzte. Mit Basel als Austra­gungsort kehrt der ESC nun ins Herz Europas zurück.

Ein Abend voller Musik und Mitgefühl
Die Veran­stal­tung im St. Clemens Haus war nicht nur musi­ka­lisch ein voller Erfolg. Obwohl der Eintritt frei war, wurden Spenden erbeten – diese dienen einem wohl­tä­tigen Zweck: Mit dem Erlös soll weiterhin ein wöchent­li­ches Früh­stücks­an­gebot für obdach­lose Menschen im Stadtteil finan­ziert werden. Ein schöner Beweis dafür, dass der ESC mehr ist als nur eine Show – nämlich ein Ort der Begegnung, der Gemein­schaft und der Solidarität.


Text & Fotos.: Hari Januschke