68. Euro­vi­sion Song Contest in Malmö

Der Mai wird nicht umsonst Wonne­monat genannt; und seit Jahren trifft das vor allem auf die Musik­freunde Europas und darüber hinaus zu. Zum 68sten Mal findet vom 7. bis zum 11. Mai 2024 der Euro­vi­sion Song Contest statt. Nachdem Loreen mit "Tattoo" den Wett­be­werb vor einem Jahr in Liverpool siegreich gestalten konnte, ist bereits zum siebten Mal Schweden Gastgeber der größten Musikshow der Welt. Nach 1992 und 2013 wurde Malmö damit beauf­tragt, den Jahrgang 2024 durch­zu­führen. Bereits zum dritten Mal wird die Show von Petra Mede moderiert, gemeinsam mit der Schau­spie­lerin Malin Åkerman. Nach 27 Jahren hat Deutsch­land einen neuen TV-Kommen­tator. Als Nach­folger des legen­dären Peter Urban, der den ESC seit 1997 teils leicht bissig kommen­tiert hatte, übernimmt Thorsten Schorn die schwere Aufgabe, die riesigen Fußstapfen auszufüllen.

In Malmö treten 37 Nationen an. Vor dem Finale am 11. Mai wird das Teil­neh­mer­feld in zwei Semi­fi­nal­runden auf 26 reduziert; diese werden am 7. bzw. am 9. Mai ausge­tragen. In den beiden Semi­fi­nals quali­fi­zieren sich Beiträge auf den Plätzen 1 bis 10 für das Finale. Dazu kommen die bereits Quali­fi­zierten; diese sind die 5 finanz­kräf­tigsten Nationen, kurz Big‑5 genannt. Das sind Deutsch­land, Frank­reich, Italien, Spanien sowie das Verei­nigte König­reich. Ebenfalls fest im Finale steht bereits der Gastgeber und Titel­ver­tei­diger aus Schweden. Zu sehen sind die Semifinal-Shows in Deutsch­land auf dem Sender One. Das Finale wird ebenfalls auf One sowie in der ARD übertragen.

Wir möchten Sie einstimmen auf die größte Show der Welt, und Ihnen schon einmal die Kandi­daten vorstellen. Freuen dürfen Sie sich wieder einmal auf außer­ge­öhn­liche Performances.

1. Semi­fi­nale am 7. Mai 2024 ab 21 Uhr

In diesem Semi­fi­nale dürfen nur die betei­ligten Nationen abstimmen, sowie drei der bereits quali­fi­zierten Länder; in diesem Fall sind das Deutsch­land, Schweden sowie das Verei­nigte König­reich. In den Semi­fi­nal­runden stimmen keine Jury´s ab, sondern das Ergebnis ist ein reines Tele­vo­ting-Resultat. Zusätz­lich dürfen auch Menschen aus Nicht-teil­neh­mern abstimmen, die in einer einzelnen Wertung zusam­men­ge­fasst werden, dem soge­nannten Rest Of The World Voting

Hinweis zu fehlenden Fotos …

Fotos zu den Inter­preten / Bands müsst ihr euch leider im Internet zusam­men­su­chen.
Das CopyRight lässt grüßen.😑

01 – Zypern – "Liar" – Silia Kapsis

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Den Eisbre­cher in Malmö spielt Zypern. Die Mittel­meer­insel nimmt seit 1981 teil. Obwohl Zypern von einem Sieg und einer anschlie­ßenden Gast­ge­ber­rolle träumt, gelang in 39 Teil­nahmen noch kein Sieg. Bestes Resultat war Platz 2 durch Eleni Foureira 2018 mit "Fuego". Nachdem 2004 die Semi­fi­nals einge­führt wurden, tat sich Zypern mit der Quali­fi­ka­tion schwer, aber siehe da – seit 2012 wurde das Finale ganze zweimal verpasst

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Den Eisbre­cher in Malmö spielt Zypern. Die Mittel­meer­insel nimmt seit 1981 teil. Obwohl Zypern von einem Sieg und einer anschlie­ßenden Gast­ge­ber­rolle träumt, gelang in 39 Teil­nahmen noch kein Sieg. Bestes Resultat war Platz 2 durch Eleni Foureira 2018 mit "Fuego". Nachdem 2004 die Semi­fi­nals einge­führt wurden, tat sich Zypern mit der Quali­fi­ka­tion schwer, aber siehe da – seit 2012 wurde das Finale ganze zweimal verpasst.

Wie im letzten Jahr, als Zypern mit Andrew Lambrou einen austra­li­schen Künstler engagiert hat, tritt mit Silia Kapsis erneut eine Inter­pretin aus Down Under an. Die erst 17-jährige Silia ist viel­seitig als Song­schrei­berin aktiv, hin und wieder moderiert sie Kinder­sen­dungen. Seit 2022 ist sie profes­sionel mit eigenen Songs auf dem Markt. In ihrem Dance-Beitrag "Liar enttarnt sie ihren Liebsten als jemanden, der es nicht ehrlich mit ihr meint. Ihr Kopf sagt, lauf davon, ihr Herz hat sich in ihn verliebt

02 – Serbien – "Ramonda" – Teya Dora

Jugo­sla­wien, dann unter Serbien & Monte­negro – und seit 2007 nimmt Serbien als eigen­stän­dige Nation am ESC teil. Der Einstieg war rekord­ver­dächtig, denn dank Marija Serifovic führte diese Teilnahme 2007 direkt zum Sieg, Zeljiko Joksi­movic, der schon 2004 mit SER & MTG und "Lane Moje" einen 2. Platz feierte, holte 2012 mit Rang 3 einen weiteren Medail­len­rang. Seit 2018 konnten sich sämtliche serbi­schen Beiträge quali­fi­zieren, in den letzten beiden Jahren fiel das Land durch exzen­tri­sche Beiträge auf, inse­be­son­dere 2022, als die Band Konstrakta ihre Hände­wa­schende Sängerin sich von Beifall klat­schenden Mönchen um sie herum unterstützte.

Vor wenigen Tagen feierte Teya Dora ihren 32. Geburtstag. Erst mit 27 Jahren veröf­fent­lichte sie ihre eigenen Songs, vorher studierte sie in den Staaten, und war anschlie­ßend als Song­schrei­berin für andere Künstler aktiv. Durch ihre Stimme wurde sie direkt zum Star in Serbien. "Ramonda", der erste rein serbische Beitrag seit 2013 (damals auch in Malmö), ist eine farblich dem Flieder ähnelnde Blume, die als Symbol für den Waffen­still­stand nach dem Ersten Weltkrieg steht.

03 – Litauen- "Luktelk" – Silvester Belt

Der erfolg­reichste Beitrag Litauens heißt kurio­ser­weise "We Are The Winners", und LT United meinten damit "Of Euro­vi­sion". Doch mehr als Platz 6 sprang für die Spaßkombo nicht raus. Im Unter­schied zu ihren balti­schen Nachbarn, Estland und Lettland, die beide je einmal gewnnen haben, kam das Land nicht mal ernsthaft in die Nähe einer Plat­zie­rung auf dem Podest. Viel­leicht wäre alles ganz anders gelaufen, wenn COVID-19 des ESC 2020 nicht hätte absagen lassen; The Roop galten mit "On Fire" als einer der Topfa­vo­riten auf den Sieg. Nach der erzwun­genen Coro­na­pause schaffte es Litauen sich drei Mal in Folge für das Finale zu quali­fi­zieren; dass gelang vorher nur zwischen 2011 bis 2013.

Und die Chancen, dass Litauen es ein viertes Mal in Folge schafft, stehen nicht schlecht. Der in Landes­sprache vorge­tra­gene Beitrag "Luktelk" setzt auf Party­musik im Dance­f­lo­or­ge­wand. Wegen seiner offenen Homo­se­xua­lität erlebte Silvester Belt Mobbing in seiner Heimat, weshalb er nach London flüchtete, um dort sein Musik­stu­diom erfolg­reich zu absol­vieren. Mitt­ler­weile sind die Landes­ge­setze freier geworden, und Silvester wird inseiner Heimat respek­tiert. So sehr, dass er fast schon problemlos den Vorent­scheid gewann – unter anderem gegen The Roop.

04 – Irland – "Doomsday Blue" – Bambie Thug

2013 wurde Irland Letzter im Finale – danach konnten sich die Beiträge der grünen Insel nur noch 2018 für den Samstag abend quali­fi­zieren. Von dem einst ruhm­rei­chen Irland, dass bis 1996 siebenmal gewann, und bis letztes Jahr allei­niger Rekord­halter war, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Nachdem auch Kritik an den Vorent­schei­dungen im Land laut geworden war, diese wären inhalt­lich zu altbacken und aus der Zeit gefallen, sah das Feld "Eurosong 24 – The Late Late Night Show" wesent­lich moderner aus.

Aus dem Teil­neh­mer­feld mit sechs Beiträgen quali­fi­zierte sich für Malmö eine "nicht­bi­näre" Künst­lerin heraus; so bezeichnet sich Bambie Robinson alias Bambie Thug selbst. "Doomsday Blue" ist ein düsterer Song, besser gesagt, ein Märchen. Mit anderen Worten, wir erleben ein Crossover der Unter­schied­lichsten Stile. Beim Vorent­scheid mochten sowohl Jurys als auch das Tele­vo­ting­pu­blikum den Song so sehr, dass sie jetzt in Malmö Europa genauso verwirren wie begeis­tern will

05 – Ukraine- "Teresa & Maria" – Alyona Alyona & Jerry Heil

Nutz­nießer der aktuellen Situation im Lande? Das warf der ein oder andere Kritiker der Ukraine zumindest 2022 vor, als sie mit einem Rekord­ergebnis im Tele­vo­tin­gre­sultat in Turin siegte. Wenn man aber genauer hinsieht, so zählt in Exper­ten­kreisen der ukrai­ni­sche Vorent­scheid "Widbir" als einer der stärksten unter allen Teil­neh­mern. Und deren resultate können sich in 20 Jahren sehen lassen, denn vor zwei Jahren siegte das Land nach 2004 und 2016 bereits zum dritten Mal. Die Ukraine ist zudem das einzige Semi­fi­nal­land, dass sich bis jetzt jedes Mal für das Finale quali­fi­zieren konnte.

Und es geht weiter im Crossover-Stil. Moderner Popsound, garniert mit ethni­schen Einflüssen und einer gehörigen Portion Rap. Für letzteres ist Alyona Alyona zuständig, die als solche in der Ukraine große Popu­la­rität seit einiges Jahren genießt. Jerry Heil komplet­tiert das ungleiche Duett, die Singer-Song­wri­terin fiel lange Jahre in Social-Media durch ihre Stimme auf. Ihr religiös anmu­tendes Lied sucht die Vorbilder der Sänge­rinnen in Mutter Teresa. Es ist ein Appell zu mehr Selbst­be­wusst­sein für die Frauen in der ganzen Welt.

06 – Polen – "The Tower" – Luna

"To nie Ja" – der Premie­ren­song Polens 1994 von Edyta Gorniak war viel­ver­spre­chend, denn mit ihrer ersten Teilnahme erreichte das Land Platz 2. Das war es aber auch leider schon, insgesamt erreichten danach nur noch 4 polnische Beiträge die linke Tabel­len­hälfte. Seit 2004 schei­terten 9 Songs bereits im Semi­fi­nale. Zuletzt gelangen zwei Final­teil­nahmen in Folge.

Für ein drittes Finale seit 2022 soll in Malmö die gebürtige Warschauerin Alexandra Wielgomas alias Luna sorgen. Leichte Versuche in Richtung Musik­kar­riere unternahm die intern ausge­wählte Kandi­datin zunächst über Social Media, doch der Durch­bruch kam mit der Liebe. Seit 4 Jahren ist Michael Krol nicht nur der Glück­liche an ihrer Seite, er ist auch ihr Komponist. Maßge­schnei­dert für Luna verpasste er ihr den Song "The Tower" – der Dancesong hat aber nichts mit einem Turm zu tun, der Begriff dient hier als Metapher.

07 – Kroatien – "Rim Tim Tagi Dim" – Baby Lasagna

1990 fand der 35. ESC in Zagreb statt, nach dem die aus Kroatien stammende Band Riva 1989 in Lausanne gewonnen hatte; aller­dings für Jugo­sla­wien. Nach der Unab­hän­gig­keit erreichte Kroatien zunächst einige Jahre erstaun­liche Ergeb­nisse, aber mehr als zwei Vierte Plätze (1996, 1999) war nicht drin. Doch seit 2002 ist in der Punk­te­aus­beute des Landes der Wurm drin, kein einziger Song erreichte seither die Top Ten, seit 2008 schaffte es Kroatien nur noch 5x ins Finale. Letztes Jahr provo­zierten und begeis­terten die Rocker von Let 3, am Ende reichte es immerhin zu Platz 13.

Diesem Treiben möchte Marko Purisic als Baby Lasagna ein Ende bereiten – und die Quoten trauen seinem mitrei­senden Rockpop-Song gar einen Sieg zu. Marko war bis vor zwei Jahren in einer Rockband aktiv, mit der er sich bereits 2019 am DORA, dem kroa­ti­schen Vorent­scheid bewarb. Seit seiner Solo­kar­riere macht er außerhalb des Landes von sich reden, u.a. war er letztes Jahr am Album der deutschen Band Mono Inc. als Song­schreiber beteiligt. 2025 in Zagreb? Kroatien träumt bereits ein bißchen.

08 – Island – "Scared Of Heights" – Hera Björk

Bereits der erste Song Contest des Jahr­tau­sends fand in Schweden statt – um Haares­breite wäre im Jahr 2000 der ESC jedoch nach Reykjavik gegangen. Selma Björns­dottir lieferte sich mit Charlotte Nilssen 1999 in Jerusalem einen span­nenden Punk­te­kampf, und wurde Zweite. Gleiches gelang Yohanna 10 Jahre später, aber mit deut­li­chem Rückstand auf Alexander Rybak. Neben bemer­kens­werten Auftritten von Paul Oscar (1997), Pollapönk (2014) oder Hatari (2019) gelang der Insel 2020 etwas außer­ge­wöhn­li­ches. Der später sieg­reiche Song im Vorent­scheid "Think About Things" von Dadi sorgte schon vor dem Finale für Gesprächs­stoff als möglicher Sieger – außerhalb Islands.

Gute Nach­richten für Isaak; wenn Hera Björk am ESC teilnimmt, läuft es für Deutsch­land super. Schon einmal trat sie an, im Lena-Jahr 2010 in Oslo. Für den Popsong "Je ne sais quoi" reichte es am Ende für Platz 19. Dafür bekam sie von den Mode­ra­toren einen damp­fenden Vulkan auf den Tisch gestellt, weil man ihr "die Schuld"gab, dass ein Vulkan­aus­bruch auf ihrer Insel wochen­lang den Verkehr euro­pa­weit lahmlegte. In "Scared Of Heights" spricht sie dem Zuhörer Mut zu, widrige Hürden des Lebens zu überwinden..

09 – Slowenien – "Veronika" – Raiven

Ganze viermal schaffte es Slowenien, sich in der oberen Hälfte eines ESC zu plat­zieren, zuletzt gelang das 2001. Mit Einfüh­rung der Semi­fi­nal­runden hat das Land meistens großer Probleme, über dieses hinaus zu kommen. 12 Songs schei­terten an der Hürde, und die Songs, die es schafften, landeten oft unter ferner liefen. Joker Out schafften es letztes Jahr als erste Slowenen, sich nach Corona für das Finale zu quali­fi­zieren, erreichten dort aber auch nur Platz 21.

Dreimal trat die viel­sei­tige Künst­lerin Raiven beim Evro­vi­z­ijska Melodija vergeb­lich an, um für Slowenien anzu­treten. In diesem Jahr wurde Sara Cirman direkt nominiert. Ihr in Landes­sprache verfasster Elek­tro­pop­song "Veronika" handelt von einer histo­ri­schen Person des Landes, die zum Symbol der Unschuld in Slowenien geworden ist.

10 – Finnland – "No Rules" – Windows95Men

Finnland zählt zu den Urge­steinen des ESC, seit 1961 nimmt das Land teil, lange Jahre aber sehr erfolglos. Platz 6 galt für 33 Jahre als das beste Ergebnis, das Marion Rung 1973 holte. Doch die Mons­ter­ro­cker Lordi verän­derten alles, und holten 2006 den ersten Platz ins Land. Aber auch danach stol­perten sich die Nord­lichter durch den Wett­be­werb, erst Blind Channel 2021 tauchte wieder im vorderen Teil auf. Im letzten Jahr gewann Käärijä das Tele­vo­ting, durch das Jury­vo­ting reichte es zu Platz 2.

Der Name -No Rules – durfte bleiben, aber das Logo ist weg. Teemu Keisteri, der hinter dem Duett steht, trug noch das Etikett des Künst­ler­na­mens auf. Der reine Happysong ließ die Jurys beim Vorent­scheid entgeis­tern. Das Publikum rissen sie mit, sie entschieden im Tele­vo­ting, dass die beiden viel­leicht dass schaffen, was Käärjiä letztes Jahr knapp verwehrt wurde.

11 – Moldawien – "In The Middle" – Natalia Barbu

In Malmö erleben wir den 20. molda­wi­schen Beitrag. Seit 2005 nimmt die kleine Balkan­re­pu­blik teil, und erreichte 14x das Finale. Der erfolg­reichste Song war "Hey Mamma", die durch das SunStroke Project 2017 auf Platz 3 kamen. Der Band gelang 7 Jahre zuvor lediglich Platz 22, doch ein auf Saxophon gespieltes Instru­me­tal­teil fand sich durch einen 10-Stunden-Clip auf YouTube wieder; Mr. Sax Guy war geboren. Besondere Popu­la­rität erreichte auch die Band Zdob si Zdub, die bei drei Teil­nahmen im guten Mittel­feld wiederfanden.

Und auch die dies­jäh­rige Kandi­datin Natalia Barbu ist den ESC-Kennern keine Unbe­kannte. 2007 erreichte sie mit dem Popsong "Fight" einen 10. Platz. In Moldawien kennt man ihren Star auch in Liedern in Landes­sprache, aber wie damals in Helsinki singt sie auch in Malmö auf Englisch. "In The Middle" ist dabei ein modern abge­fasster Ethno-Pop-Song..

12 – Aser­bai­dschan – "Özünlə apar" – Fahree feat. İlkin Dövlətov

Seit 2008 nimmt Aser­bad­schan am ESC teil, und der Start war bein­dru­ckend. Nach einem 8. Platz bei deren Première holten kamen sie in den folgenden Jahren immer unter die ersten fünf – und zwar wurde jeder Platz einmal einge­nommen. Danach ging der Kauka­sus­re­pu­blik, die 2012 nach dem Sieg von Ell & Nikki Gastgeber waren, ein wenig die Puste aus. Nur noch Chengiz holte 2019 einen Top Ten Platz, 2018 und 2023 schei­terte das Land bereits im Semi­fi­nale. Das Land behalf sich meistens mit auslän­di­scher (oft mit schwe­di­scher) Autoren­hilfe, die Songs wurden alle auf englisch vorge­tragen. Die Kritik von außerhalb wurde größer, weil man so gut wie nichts über die eigent­liche Musik­kultur der Kauka­sus­re­pu­blik erfuhr.

Aber genau damit soll jetzt Schluß sein. Der Popsong "Özünlə apar" hat starke ethnische Einflüsse, und siehe da, die ersten Sätze in Landes­sprache kommen nun auch beim Song Contest vor. Fahree, der in seiner Heimat sowohl die Popkultur als auch die folk­lo­ris­ti­sche Musik aufnimmt, wird in Malmö verstärkt durch İlkin Dövlətov, der durch den in Aser­bai­dschan bekannten Mugham­stil den Part unterstreicht.

13 – Austra­lien – "One Milkali" – Electric Fields

2015 war es schon ein großes Hallo, als Down Under als weit von Europa entferntes Land in Wien mit einem Beitrag erstmals teilnahm. 2016 gelang Dami Inn sogar fast ein Sieg. Nicht ganz so erfolg­reich war Isaiah Firebrace ein Jahr später, aber mit ihm betrat erstmals ein Künstler abori­gi­ni­scher Abstam­mung die ESC-Bühne. Trotz über­schau­barer mäßiger Ergeb­nisse in den letzten Jahren bleibt der Song Contest in der fünften Welt ein Publi­kums­ma­gnet; und das obwohl die Show wegen der Zeit­ver­schie­bung erst am ganz frühen Sonntag Morgen ausge­strahlt wird.

Hinter Electric Fields verbirgt sich ein Duett, bestehend aus Zaacha­riaha Fielding und Michael Ross. Ihre Lieder werden oft in den Sprachen der tradi­tio­nellen Einwohner Austra­liens aufge­nommen, aber in Malmö treten sie in englisch an. Elek­tro­ni­sche Musik verbunden mit dem Sound ethni­scher Gruppen des Landes, von dem Stil weicht auch der ESC-Beitrag nicht ab. "One Milkali" ist ein Lied für das Leben in einer Gesellschaft.

14 – Portugal – "Grito" – Iolanda

Ergeb­nisse von ESC-Liedern lassen sich in Punkten ablesen; oder in deren Wirkung. 1974 schaffte Paulo de Carvalho mit nur drei Punkten einen letzten Platz. Aber als drei Wochen nach dem ESC in Brighton sein "E depois Do Adeus" im Radio gespielt wurde, wurde das für seine Lands­leute das Signal, das Militär zum Umsturz der Salazar-Diktatur zu unter­stützen. Die sonstigen Resultate sind fast genauso mau; mit einer Ausnahme. Und die hatte es in sich. Salvador Sobral holte 2017 mit der Rekord­zahl von 758 des ESC nach Lissabon.

Iolanda Costa wurde wie alle Beiträge des Landes, beim Festival da Canção ausge­wählt, Portugal in Malmö zu vertreten. Ihre karriere begann bei der portu­gie­si­schen Version von The Voice. Doch nur schlep­pend kam die Karriere in Gang, erst seit zwei Jahren erscheinen regel­mäßig Singles von ihr. Ihre Ballade "Grito", bei der die Künst­lerin und ihre Tänzer komplett in weiß auftreten, bedeutet zu deutsch "Schrei".

15 – Luxemburg – "Fighter" – Tali

Es war der "Hallo-Wach"-Moment, als Moderator Graham Norton letztes Jahr in Liverpool verkün­dete, dass ab 2024 Luxemburg wieder teilnimmt. 31 Jahre Pause hat sich das Groß­her­zogtum genommen. Und die Geschichte des Landes bis 1993 ist ruhmreich, denn insgesamt 5 Siege konnte das Land verbuchen. Meist bediente sich Luxemburg aber der Hilfe von außerhalb, und so stehen in der Kandi­da­ten­liste Stars wie Nana Mouskouri, Vicky Leandros, Ireen Sheer, France Gall, Jürgen Marcus, Lara Fabian und Baccara.

Anders die Rückkehr – in einem groß ange­legten Vorent­scheid, bei der haupt­säch­lich Künstler mit einem großen Bezug zu Luxemburg antreten konnte, entschieden sich Jurys und Tele­vo­ting für Tali Gorgeant. Die gebürtige Israelin lebt allerding seit vielen Jahren in Luxemburg. Ihr Dancesong "Fighter" enthält fran­zö­si­sche und englische Text­pas­sagen. Sie beschreibt damit die Momente, in der sich ein junger Menschen durch das Leben kämpfen muss.

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2. Semi­fi­nale am 9. Mai 2024 ab 21 Uhr

In diesem Semi­fi­nale dürfen nur die betei­ligten Nationen abstimmen, sowie drei der bereits quali­fi­zierten Länder; in diesem Fall sind das Frank­reich, Spanien sowie Italien. In den Semi­fi­nal­runden stimmen keine Jury´s ab, sondern das Ergebnis ist ein reines Tele­vo­tin­gre­sultat. Zusätz­lich dürfen auch Menschen aus Nicht-teil­neh­mern abstimmen, die in einer einzelnen Wertung zusam­men­ge­fasst werden, dem soge­nannten Rest Of The World Voting

01 – Malta – "Loop" – Sarah Bonnici

1971 unternahm Malta drei Versuche sich im ESC zu etablieren, was gehörig schief­ging. Nach 1975 machte die Insel 16 Jahre Pause, und kam für 15 Jahre bestens erholt wieder zurück. Vier Medail­len­plätze, und nur zweimal war die Malteken nicht in den TopTen. In dieser Zeit bescherte der ESC dem einhei­mi­schen TV-Sender eine Einschalt­quote von über 90%. Seither wechseln aber Licht und mehr Schatten, und neun Beiträge schafften es nicht ins Finale.

Die dies­jäh­rige Vertre­terin der Insel Sarah Bonnici ist bereits als Kind ein Star geworden. Bei der Junior-Edition des ESC schei­terte sie aber im Vorent­scheid. Dennoch feilte Sarah fleißig an der Karriere, und ließ sich bei X‑Factor unter die Lupe nehmen. "Loop" ist ein reines Liebes­lied. Auch dieser Dancesong erinnert ein wenig an die 90er.

02 – Albanien – "Titan" – Besa

Seit ihrer ersten Teilnahme 2004 über­rascht die einst graue Maus Europas Albanien mit stets bunter Popmusik und folk­lo­ris­ti­schen Songs den Rest des Konti­nents. Aller­dings ist die Ausbeute über­schaubar. Zwei TopTen Plätze, ansonsten Mittel­feld oder im hinteren Bereich, wenn das Finale überhaupt erreicht wird. Der Teil­nehmer Albaniens wird beim Festivali i Këngës ermittelt, einem Vorent­scheid, den es vor 2004 bereits seit 1962 als alba­ni­sches Musik­fes­tival gibt. Dieser findet, sehr zur Freude der ESC-Fans meistens um die Weih­nachts­tage statt, und stimmt Europa auf das fest und den ESC ein.

Besa Kokëdhima gehört seit ihrem Sieg bei einer Casting­show 2008 zu den ganz großen Namen in Albanien. Ihre Vorlieben sind Pop- und R&B‑Songs in alba­ni­scher Sprache, die sie schon vor ihrem Durch­bruch kompo­niert hat. Dennoch wird man sie in Malmö auf englisch erleben, auch der ursprüng­liche Song "Zemrën n’Dorë" wurde über­ar­beitet. Das Lied selbst wechselt das Tempo zwischenzeitlich

03 – Grie­chen­land – "Zári" – Marina Satti

Grie­chen­land wird 50 – 2024 ist es ein halbes Jahr­hun­dert her, als die Südöst­eu­ro­päer erstmals mit einem eigenen Beitrag in Erschei­nung traten. Weil die Griechen aber nicht jedes Jahr dabei waren, erleben wir in Malmö Beitrag Nummer 44. Zwischen 2004 und 2011 erlebte das Land seine stärkste Phase, und landete immer unter den ersten zehn. Helena Paparizou holte 2005 den ESC nach Athen. Seither befindet sich Grie­chen­land wieder in einer Durst­strecke, die Punkte aus Zypern alleine reichen nicht aus.

Marina Satti hat mit ihren 38 Jahren künst­le­risch schon so ziemlich alles auspro­biert. Man erlebte sie in Musicals, als Synchron­spre­cherin, in Spiel­filmen, als Gründerin eines Chors – und als renom­mierte Sängerin des Landes. Ihr Lied "Zari" wurde intern nominiert, und bedeutet "Würfel". Wie werden ihre Würfel fallen?.

04 – Schweiz – "The Code" – Nemo

Die stets neutrale Schweiz lud 1956 sieben Nationen nach Lugano – der ESC war geboren. Und auch der erste Schweizer Sieg mit Lys Assia. Beim zweiten und bislang letzten Sieg entdeckten sie in Kanada Weltstar Celine Dion, die für die Eidge­nossen 1988 siegte. Mit Einfüh­rung der Semi­fi­nals ging es aber für Switz­er­land erstmal in die Niede­rungen; bis 2018 schei­terten 11 Schweizer Beiträge bereits im Semi­fi­nale. Doch seit 2019 sind die Alpen­ländler wieder erwacht; Platz 4 und 3 sowie die regel­mä­ßige Final­qua­li­fi­ka­tion sind seither die Regel.

Und in diesem Jahr spielen unsere Nachbarn, wenn man den Wett­quoten glauben darf, um Platz 1 mit. Der Nemo, oder die Nem, oder viel­leicht das Nemo? Jetzt vermeiden wir Artikel, denn Nemo selbst bezeichnet sich als panse­xuell. Beim ESC spielen solche Dinge bekannt­lich keine Rolle, erst recht nicht im ESC-Beitrag "The Code". Der Song vermit­telt dem Zuhörer, sich im Leben nicht an Zwänge anketten zu lassen, oder aus selbigen auszu­bre­chen. Der Song ist ein Crossover aus nettem Liedchen, einem Opern­haften Triumphzug und Rap, und alles in einer Harmonie.

05 – Tsche­chi­sche Republik – "Pedestal" – Aiko

Mitt­ler­weile finden sich die tsche­chi­schen Beiträge beim ESC immer besser zurecht. Aber die Anfänge waren demü­ti­gend; zwischen 2007 und 2009 waren sämtliche Beiträge in den Niede­rungen der Semi­fi­nales anzu­treffen. Nach einer Zwangs­pause kehrte das Land 2015 wieder zurück. Doch erst Mikolas Josef sorgte mit einem 6. Platz 2018 für das erste Aha-Erlebnis. Mitt­ler­weile bekommt Tsche­chien auch Kompli­mente für seine Beiträge, doch auch die gelobten Songs von Lake Malawi, We Are Domi und Vesna bekommen wenig Unter­stüt­zung im Televoting

Viel­leicht gelingt ja mit dem rockigen Song von Aiko. Aiko kam in Moskau zur Welt, wuchs aber in Tsche­chien auf. Die Liebe zur Musik entwi­ckelte sie früh, noch fehlt jedoch der ganz große Durch­bruch. In "Pedestal" singt die 25jährige lautstark, dass es wichtig ist, sich selbst zu lieben. Nur so kann man mit dem nötigen Selbst­ver­trauen auch gut für seinen Liebsten sein-

06 – Öster­reich – "We Will Rave" – Kaleen

Als es 1957 erstmals Punkte beim ESC gab, gab es auch erstmals ein Schluss­licht. Öster­reich. Bob Martin´s Calypso-Liedchen im Coun­try­style begeis­terte die Juroren nicht unbedingt. Zwischen den beiden Siegen musste kein anderes Land so lange warten wie unsere Nachbarn; zwischen den Siegen von Udo Jürgens und Conchita Wurst lagen 48 Jahre. Lange Zeit war es eine Diskus­sion zwischen Deutsch­land und Öster­reich, wer welchem Land wenig bis gar keine Punkte gibt. Und die Öster­rei­cher werden hier­zu­lande mitunter bewundert, für die mutige Auswahl ihrer Beiträge.

Und wieder tauchen wir in die 90er Jahre ein. Auch Marie-Sophie Kreissl alias Kaleen hat sich für Malmö´24 dem Dance­f­loor verpflichtet. Kaleen arbeitete zunächst einige jahre als Tänzerin, und verhalf anderen Künstlern mit Tipps bei ihrer Perfor­mance. Erst seit mehr als einem Jahr mischt sie gesang­lich mit; doch das Tanzen bleibt nicht außen vor. Ihr Beitrag "We Will Rave" hat nur eine Botschaft: tanzen bis zum Morgengrauen.

07 – Dänemark- "Sand" – Saba

Kurz mal über die Brücke rüber und des ESC 2025 nach Kopen­hagen rüber­holen. Das gelang Dänemark beim letzten ESC in Malmö 2013 durch Emmelie de Forest. 1957 erstmals dabei, seit 1978 nach einer 12jährigen frei­wil­ligen Pause fast immer dabei, hat sich das Land vom typischen Happy­sound der früheren Jahre nur ein wenig verab­schiedet. Der Sieg der Olsen Brothers 2000 zählt zu den Stern­stunden des Landes..

Schon als Säugling kam die gebürtige Äthio­pierin nach Dänemark; sie wurde in eine Gast­fa­milie adoptiert. Mit Singen hatte die 26jährige lange Zeit nichts am Hut. Sie arbeitete zunächst sehr erfolg­reich als Model. Fast aus Versehen kam sie kurz nach der Pandemie zu einer Musi­cal­rolle, dort wurde ihr jetziges Talent entdeckt. Im dänischen Vorent­scheid, in dem u.a. die inter­na­tional erfahrene Aura Dione antrat, setzte sich die stimm­ge­wal­tige Künst­lerin stimm­ge­waltig durch. In "Sand" singt Saba vom Trennungsschmerz.

08 – Armenien – "Jako" – Ladaniva

Den größten Erfolg erzielte Armenien mit einem 20. Platz. Wie bitte, werden Sie sagen? Das Land, dass seit 2006 teilnimmt, war doch schon wesent­lich erfolg­rei­cher. Von Plat­zie­rungen her ja, aber 2022 in Turin reichten magere 61 Punkte au, um sonder­bares auf die Beine zu stellen. Mehr bekam Rosa Linn für "Snap" nicht, aber danach einen sensa­tio­nellen euro­pa­weiten Chart­erfolg. Ansonsten verhalfen Sirusho 2008 und Aram MP3 2014 dem kauka­si­schen Land zu zwei vierten Plätzen. Und 2016 durfte die in Hamburg lebende Iveta Mukuchyan Armenien mit "Love Waves" zu Platz 7 verhelfen.

Hinter dem Künst­ler­namen Ladaniva verbirgt sich das folk­lo­ris­ti­sche Duett Jacque­line Bagh­da­sa­ryan und Louis Thomas. Treff­punkt zur Gründung vor 5 Jahren war aber nicht das heimische Armenien, sonder Frank­reich, dem Wohnort von Louis Thomas. Die Songs bieten eine kultu­relle Vielfalt, die sowohl in fran­zö­sisch und armenisch gesungen werden. Ihr fröh­li­cher Folksong "Jako" bedeutet nichts, und kommt nicht einmal im Song vor. Die Botschaft des Liedes? Keine, außer das Leben als solches zu genießen.

09 – Lettland – "Hollow" – Dons

Als Lettland im Jahr 2000 erstmals betrat, legten die Balten los wie die Feuerwehr. Platz 3 durch einen sehr ausge­fal­lenen Song der Band Brain­storm. 2002 Platz 1 durch Mari N, und auch danach war Lettland lange Jahre ein gern gesehener Gast im Finale. Bis 2008. Seitdem stürzen die tapferen Letten von einer Semifinal-Pleite in die nächste, lediglich in den Jahren 2015 und 2016 tauchten die Blitz­starter mit einem Beitrag auf.

Artūrs Šingirejs oder kürzer Dons, so heißt der dies­jäh­rige Vertreter Lettlands. Der 40jährige stimm­ge­wal­tige Sänger zählt zu den bekann­testen Sängern seines Landes. Seit 2003 nimmt er regel­mäßig Songs auf, mal in engli­scher, aber zumeist in letti­scher Sprache. In seinem ESC-Beitrag "Hollow" erzählt Dons seine persön­liche Geschichte, in der er in einer gefühlten Gefan­gen­heit versucht auszu­bre­chen, ohne dabei seine Persön­lich­keit zu verlieren.

10 – San Marino – "11:11" – Megara

Und nun zum 15. ESC Beitrag San Marinos seit 2008. Doch mit gerade mal drei Final­teil­nahmen, umd einem 19. Platz als bestem Ergebnis zählt das kleinste Teil­neh­mer­land auch zu den erfolgs­lo­sesten. Dabei genießen die Kandi­daten sogar hohen Kult­status. Serhat hat bei seinen 2 Teil­nahmen mehr Sympa­thien als Punkte gesammelt, und mit Hilfe der deutschen ESC-Ikone durfte Valentina Monetta gleich vier Mal für die Republik inmitten Italiens antreten. Der Superclou war dann 2021; mit ihrem dritten ESC-Beitrag bekam Sängerin Senhit mit dem US-ameri­ka­ni­schen Rapper FloRida – auch mit wenig Erfolg – promi­nente Unterstützung.

Auch in diesem Jahr wurde der Beitrag unter zig Einsen­dungen im Format Una Voce Per San Marino ermittelt. Bekommen hat die Fahrkarte die aus Spanien stammende Band Megara. Die vier­köp­fige Formation trat bereits 2023 beim spani­schen Vorent­scheid an, und waren danach darüber verärgert, nicht das Ticket für Liverpool bekommen zu haben. In "11:11" singen sie rockig und lautstark darüber, dass sie ihn endlich loswerden wollen, er solle die Biege machen, sie wollen von ihm nichts mehr wissen. Und manch ein Spanier rätselt – ist mit demje­nigen viel­leicht der spanische Vorent­scheid gemeint?

 

11 – Georgien – "Fire­fighter" – Nuza Busaladse

Und nun zum Rekord­sieger des ESC. Fast, gemeint ist aber in diesem Fall der Junior ESC, den hat Georgien bereits dreimal gewonnen. Die Ausbeute in der Erwach­se­nen­fas­sung sieht dagegen ernüch­ternd aus. Zwei neunte Plätze sind das beste Resultat. Von 16 Beiträgen erreichten gerade mal 8 das Finale. Seit 2016 erreichte kein geor­gi­scher Beitrag mehr das Finale. Kaum zu glauben, bei dem Nachwuchs im Land.

Die 27jährige Nuza Busaladse aus Tiflis darf in Malmö den nächsten Versuch wagen, Georgien in die ESC-Erfolgs­spur zu bringen. Inter­na­tio­nales Format bringt die Künst­lerin mit, sie sammelte musi­ka­li­sche Erfahrung in den USA, kam aber immer wieder nach Georgien zurück. In einer Cast­in­show schnup­perte sie ESC erfahrene Luft, als sie gemeinsam mit der türki­schen Vertre­terin von 2009, Hadise Günay konkur­rierte. In ihrem Lied geht es heiß her, sie will die Flammen in ihr löschen, aber vor lauter Liebe will sie das doch nicht.

12 – Belgien – "Before The Party Is Over" – Mustii

Belgien gehört zu den Grün­der­kin­dern der ESC-Geschichte im Jahr 1956, und schickt in Malmö bereits seinen Beitrag Nummer 66 ins Rennen. Doch in knapp 70 Jahren gelang unseren west­li­chen Nachbarn gerade mal ein Sieg, 1986 durch Sandra Kim. Und auch sonst sucht man die guten Ergeb­nisse fast mit der Lupe. Das änderte sich ein wenig mit Einfüh­rung der Semi­fi­nal­runden. Zwar schied Belgien des Öfteren aus, aber wenn sie das Finale erreichten, dann fielen sie dort sehr oft positiv auf, sei es durch Loic Nottet, Tom Dice, Blanche oder im letzten Jahr durch Gustaph..

Auf seinen ESC-Einsatz in Malmö wartet Mustii schon über 8 Monate. So lange weiß der 33jährige Brüsseler bereits, dass er das belgische Ticket in der Tasche hat; als aller­erstes der 37 Kandi­daten. Der gelernte Schau­spieler kam durch seine Erfah­rungen am Theater mit der Musik in Berührung. Doch erst seit knapp 7 Jahren erscheinen regel­mäßig Aufnahmen von ihm. Neben sehr viel nackter Haut darf man bei Mustii sicher sein, diese ebenfalls zu sehen bekommen, sein Hemd besteht meistens aus reinem Hautton. Sein ESC-Beitrag bringt viel Fantasie mit; besingt er in seiner Ballade das Ende der Welt?

13 – Estland – "(nendest) narkooti­kumi­dest ei tea me (küll) midagi" – 5miinust x Puuluup

1994: 7 neue, erstmals osteu­ro­päi­sche Länder, feiern in Dublin ihre Première. Als erster der Debü­tanten war nach Start­rei­hen­folge Estland an der Reihe. Estland war auch das erste Land im Bereich des einstigen Warschauer Pakts, dass 2001 gewann, In der Anfangs­zeit konnte das kleine Land beacht­liche Resultate erzielen, mit Beginn der Semi­fi­nals taten sich die Balten schwer, 5x in Folge wurde das Finale verpasst. Das Eesti Laul, der estnische Vorent­scheid gilt unter Kennern als einer der quali­tativ besseren.

Das wars es mit dem ewigen Rekord aus Deutsch­land. 1964 sang Nora Nova für Deutsch­land "Man gewöhnt sich so schnell an das Schöne" – kein Songtitel hatte danach mehr als die 24 Buch­staben von einst. Estlands Beitrag baut diese Marke auf sagen­hafte 39 Buch­staben und Zeichen aus. Möglich machen das eine Hip Hop-Band,, sowie ein folk­lo­ris­ti­sches Duett. Ihr fröh­li­cher Song mit dem für Nicht-Esten unaus­sprech­li­chen Titel ist ein Anti-Drogen-Lied. Ich kenne keine Drogen, nur Limonade..

14 – Israel – "Hurricane" – Eden Golan

Unpo­li­tisch war der ESC seit der erst­ma­ligen Teilnahme Israels 1973 selten, so gerne es die EBU auch hätte. Aber nie war die Situation so brisant wie dieses Jahr. Mehrere Künstler, die bereits in anderen Vorent­schei­dungen gemeldet hatten, drohten den Rückzug. Die Politik im Nahen Osten ist schreck­liche Realität, kulturell aber haben die Beiträge des vier­fa­chen Gewinners aber stets berei­chert. Dank Israels Teilnahme durfte Europa lange Jahre bei der Kibbuz-Disco mittanzen. Letzte Jahr war Israel noch Dritter durch Noa Kirel´s "Einhorn", da fand der Beitrag auch sehr viele Bewunderer.

Die Auswahl des dies­jäh­rigen Beitrags ging auch nicht ohne Gezeter ab. Der jetzige Beitrag "Hurricane" hieß ursprüng­lich "October Rain", das war der EBU zu politisch, sie bestand auf Änderung. Ausge­tragen wird der unnötige Macht­kampf auf dem Rücken der erst 20jährigen Eden Golan, die durch Casting-Shows und Bühnen­er­fah­rung seit 8 Jahren versucht, ins Rampen­licht zu kommen. Mit starker Stimme erzählt Eden Golan von einer Sehnsucht nach ihrem Liebsten; aller­dings so mit Phrasen bestückt, das Zweifel aufkamen, was mit einzelnen Text­pas­sagen gemeint werden kann.

15 – Norwegen – "Ulveham" – Gáte

Norwegens ESC-Geschichte besteht eigent­lich aus zwei Hälften. Als die Nord­lichter 1960 einstiegen, galten sie viele Jahre als vorher­seh­bare Schluss­lichter. Als die Bobby­socks 1985 den ersten von drei Siegen ins Land holten, kippte das jedoch in bessere Ergeb­nisse, Und auch die Beiträge wurden viel­fäl­tiger; zwischen gutem Pop, Elfen­ge­sang, skurillen Wölfen in gelb oder Glam-Rock; doch egal wie unter­schied­lich die Songs und das Ergebnis sind – die Norweger sind ESC-besessen.

Gáte bestehen aus vier Mann und der Frontfrau Gunnhild Sundli. Ihre mitunter düsteren Rocksongs sind nach deren Aussagen im Grunde Märchen. Viel­leicht Geschichten aus dem Mittel­alter, denn auch das mischt sich visuel im Song und an der Klamotte mit. Passend heißt der erste Song in norwe­gi­scher Sprache seit 2006 übersetzt "Wolfshaut".

16 – Nieder­lande – "Europapa" – Joost Klein

Unsere nieder­län­di­schen Nachbarn gehören nicht nur zum Stamm der sieben Nationen, die beim aller­ersten ESC dabei waren; 1956 betrat Jetty Paerl als aller­erste Künst­lerin überhaupt eine Euro­vi­si­ons­bühne. Das gelang der Nieder­lande anschlie­ßend noch viermal, zuletzt 2019. Zwischen 2005 und 2012 hatten die West­eu­ro­päer ihre schwerste Phase; achtmal in Folge konnte sich kein Song für das Finale quali­fi­zieren. Seit 2013 sind sie aber wieder, von zwei kleinen Ausnahmen abgesehen, wieder konkur­renz­fähig geworden.

Und in diesem Jahr wird die Nieder­lande als Titel­kan­didat gehandelt. Deren Vertreter Joost Klein ist uns allen seit letztem Jahr bestens vertraut, stürmte er doch gemeinsam mit Otto Waalkes in einer Neufas­sung vom "Frie­sen­jung" Platz 1 der deutschen Charts. Joost erreichte durch seine YouTube bekannt, seither stet er für Unter­hal­tung zum Abtanzen. "Europapa" wirkt skurril, ist aber in Wahrheit eine Hommage an Europa – und an seinen verstor­benen Vater. Letzteres wird am Schluss des Song ganz deutlich.

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Das Finale am 11. Mai 2024 ab 21 Uhr

Im Finale treten 26 Beiträge an. Aus jedem Semi­fi­nale quali­fi­zieren sich die Beiträge auf den Plätzen 1 – 10; ergänzt wird das Teil­neh­mer­feld durch die 5 finanz­kräf­tigsten Länder (Big‑5), sowie dem Beitrag des Titel­ver­tei­di­gers und Gast­ge­bers. Abstimmen dürfen in diesem Finale alle 37 Teil­nehmer, also die Fina­listen, aber auch die Länder, deren Beiträge im Semi­fi­nale ausge­schieden sind. Zusätz­lich dürfen auch Menschen aus Nicht-teil­neh­mern abstimmen, die in einer einzelnen Wertung zusam­men­ge­fasst werden, dem soge­nannten Rest Of The World Voting.

Bei der Abstim­mung im Finale gibt es zwei Wertungs­stränge. Zum einen wird jeder Teil­nehmer durch eine Jury vertreten, die zunächst ihre Resultate durch einen Sprecher verkündet. Anschlie­ßend werden die Tele­vo­tin­g­er­geb­nisse zusam­men­ge­fasst, und zum Jury­er­gebnis hinzuaddiert.

Bereits für das Finale quali­fi­ziert sind:

01 – Schweden – "Unfor­gettable" – Marcus & Martinus

Wir feiern dieses Jahr das 50jährige Jubiläum des ersten schwe­di­schen Sieges. ABBA verän­derten den ESC und die Musik­land­schaft. Und vor allem die in Schweden. Nicht nur innerhalb des Song Contests, auch insgesamt entwi­ckelte sich Schweden zur Musik­in­dus­trie Nummer 1. Im vergan­genen Jahr zog Loreen nicht nur mit Johnny Logan gleich als Zweich­fach­sieger, Schweden selbst zog mit Sieg Nummer 7 mit Irland gleich. Aber wer erfolg­reich ist, hat auch die Kritiker am Hals. Schweden würde seinem Stil ewig treu bleiben, sich nicht an exen­tri­sche Aufgaben wagen. Wozu auch, wenn der Erfolg bleibt

Vie Los hat Schweden sich die Start­nummer gezogen – und man zog die Nummer 1. Zum ersten mal seit 1970 darf der Gastgeber die Show selbst eröffnen. Den Job erledigen dürfen zwei Norwegen, die Zwil­lings­brüder Gunnarsen. Marcus & Martinus sind erst 22 Jahre jung, und können bereits jetzt auf eine 12jährige Karriere zurück­bli­cken. Zunächst als Kinder­stars, weiter unter einem Teen­ager­hype, entwi­ckelte ich das Duett zu einem perfekten Musik­ex­port. Die Vorgabe war einst klar – Titel­ver­tei­di­gung, und mit Sieg Nummer 8 allei­niger Rekord­sieger. Klappt das mit der Start­nummer? 1984 ging es ja schon mal gut.

02–13 – Verei­nigtes König­reich – "Dizzy" – Olly Alexander

Das Verei­nigte König­reich ist beim ESC der geborene Vize­meister – 16 Beiträge der bislang 65 Songs seit 1957 landeten auf Rang zwei. Immerhin schafften es 5 Beiträge nach ganz oben. Lange Zeit schickte das einstige Popland Nr.1 Europas erprobte Chart­künstler zum Contest. Der legendäre Kommen­tator Terry Wogan sorgte aber auch dafür, dass im König­reich immer weniger Menschen den ESC ernst nahmen. Und mit der Jahr­tau­send­wende kippten für 20 Jahre auch die Ergeb­nisse in den Keller. Erst Sam Ryder sorgte vor zwei Jahren für ein ordent­li­ches Ergebnis – Platz 2 natürlich.

So queer wie möglich. so soll nach Auffas­sung von Olly Alexander der Beitrag auf der Bühne von Malmö aussehen. Erst seit 2 Jahren ist der Musiker solo unterwegs, vorher feierte er mit der Band Years & Years über 10 Jahre Erfolge in den Billboard-Charts. In seinem ESC-Song soll sein Liebster ihn nach allen Künsten Verführen. Werden die Zuhörer bei dem Beitrag auch "Dizzy" (Schwin­delig).

02–26 – Italien – "La Noia" – Angelina Mango

Welch eine Rückkehr – 2011, nach 14jähriger Auszeit, kehrte Italien in die ESC-Familie wieder zurück. Und bei den bishe­rigen Ausgaben plat­zierte sich Italien mit zwei Ausnahmen stets zwei­stellig. Das heimische San Remo ‑Festival diente in früheren Jahren nicht zwangs­läufig als ESC-Quali­fi­ka­tion. Seit der Rückkehr hat sich aber die Haltung dies­be­züg­lich geändert.

Fast schon explosiv ist die Karriere der Angelina Mango gelaufen. Erst seit drei Jahren hat die Popkünst­lerin einen Plat­ten­ver­trag: Schon letztes Jahr wollte sie am San Remo Festival teil­nehmen, schei­terte dort aber in einer Quali­fi­ka­ti­ons­show für Nach­wuchs­künstler. Ein jahr später war sie nicht nur Kandi­datin, sie gewann San Remo 2024. Mit "La Noia", zu deutsch Lange­weile; der fetzige Sound wird aber dabei helfen, dass selbige beim Publikum nicht aufkommt.

02–26 – Spanien – "Zorra" – Nebulossa

Spanien hat seine Liebe zum Benidorm entdeckt. Und zu einem quali­tativ guten Vorent­scheid. Einst konnte die Iberische Halbinsel mit starken Resul­taten aufwarten. Doch mit dem drei­tä­gigen Festival, dass Spanien seit 2022 veran­staltet, ist auch die Qualität wieder gestiegen. Gleich bei der Première holte Chanel Platz 3 in Turin; nachdem das Land sechsmal in Folge nicht über Platz 20 hinauskam.

Maria Bas und Mark Dasousa kennen sich bereits seit Jahr­zehnten; und machen auch schon lange Musik. Doch erst nachdem sie 2016 beschlossen, gemeinsam aufzu­treten, nahm ganz Spanien von neuen Duett Nebulossa Notiz. Mit über 50 Jahren zählt das Duett zu den reiferen Kandi­daten in Malmö. Sängerin Mary wird im Song "Zorra" ziemlich deutlich. "Zorra" bedeutet Schlampe, damit meint sie sich selbst.

14–26 – Frank­reich – "Mon Amour" – Slimane

1978 war der ESC in Paris; im Jahr zuvor siegte Frank­reich zum 5., aber auch bislang zum letzten Mal durch Marie Myriam. Nachd er Jahr­tau­send­wende tat sich das Chanson-Land Nummer 1 ein wenig schwer. Seit 2016 sind unsere Nachbarn wieder zurück; teils tradi­tio­nell erfolg­reich mit Barbara Pravi, teils auch mit zeit­ge­mäßen Sound. Und auch bei der Punk­te­ver­gabe bleibt sich das Land; von Frank­reich gibt es immer noch Douze Points.

Schneller, als ein Albaner gucken kann – schon am 8- November veröf­fent­lichte Frank­reich seinen kompletten ESC-Beitrag. Der gelernte Gospel­sänger Slimane aus der Nähe von paris probierte seit seinem 20. Lebens­jahr, eine Solo­kar­riere zu beginnen. Aber sämtliche Casting­shows sahen in ihm zunächst kein Talent. Erst bei der fran­zö­si­schen Fassung von The Voice 2016 sang er Coaches und die Konkur­renz in Grund und Boden. Seither ist er fester Bestand­teil der Musik­szene in Frank­reich – und in Belgien. "Mon Amour" ist eine stimmlich gewaltige Ballade, und ein reines Liebes­lied voller Sehnsucht.

2–13 – Deutsch­land – "Always On The Run" – Isaak

Ach ja, Deutsch­land macht ja auch wieder mit. Trotz lauter Rufe, nach der vierten Pleite in Folge, Mehr noch – seit 2015 war in sieben von acht Versuchen nicht mehr als der Vorletzte Platz drin. Aber auch in früheren Jahren tat sich deutsches Liedgut schwer. Mit Ausnahme der jahre 1977 bis 1987, als man mit einer Ausnahme immer unter den ersten zehn war. Deutsch­land ist das Land der klas­si­schen Kompo­nisten – aber auch das Land der Popkultur?

Lediglich ganz eifrige Zuschauer von Casting-Shows nahmen bereits vor dem Vorent­scheid in Berlin von Isaak Guderian aus Ostwest­falen. Ansonsten machte der über­zeugte Stra­ßen­mu­siker die Fußgän­ger­zonen zu seiner Bühne. Im Vorent­scheid stieg er zur Popu­la­rität auf, und über­zeugte trotz starker Konkur­renz die inter­na­tio­nale Jury und das TV-Publikum. Viel­leicht kam er durch den ESC in Liverpool auf die Idee, sich zu bewerben. Denn seine Gattin heißt wie die Vorjah­res­sie­gerin Loreen.

Wir hoffen, dass wir Sie mit der Vorstel­lung der Teil­nehmer des dies­jäh­rigen Euro­vi­sion Song Contest gut einge­stimmt haben. Der ESC ist seit einigen Jahren hier­zu­lande ein Kulturgut gerade bei jungen Menschen geworden. Viel­leicht auch deshalb, weil etliche Auftritte immer mehr zu Video­clips in Live geworden sind. Und soviel dürfen wir vorab verraten, genau das gibt es auch in diesem Jahr. Na dann – mögen die Spiele in Malmö beginnen.

 

Text: Hari Januschke