Freistatt – Bei einem tragischen Unfall am Bahnübergang in Freistatt im Landkreis Diepholz ist am Dienstagnachmittag ein Schulbus mit einer herannahenden Lokomotive kollidiert. Mehrere Menschen wurden verletzt, eine Schülerin schwebt in Lebensgefahr.
Der Schulbus des Schulverbundes Freistatt war gegen 13.30 Uhr auf dem Heimweg, als er am unbeschrankten Bahnübergang in der Verlängerung der Von-Bodelschwingh-Straße von einer Lok mit 28 angehängten Waggons erfasst wurde. Trotz der vorgeschriebenen akustischen und optischen Signale sowie einer eingeleiteten Notbremsung konnte der Zug – mit einem Gesamtgewicht von rund 19.000 Tonnen – nicht rechtzeitig gestoppt werden. Die Lok traf den Bus seitlich, der daraufhin um 180 Grad gedreht wurde.
In dem Bus befanden sich fünf Schüler im Alter zwischen elf und 16 Jahren sowie der Fahrer. Ein 16-jähriges Mädchen erlitt so schwere Verletzungen, dass sie noch vor Ort notärztlich behandelt und anschließend mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen werden musste. Ihr Zustand gilt als kritisch. Zwei weitere Schüler trugen leichtere Verletzungen davon, ebenso wie der 64-jährige Busfahrer. Die drei Personen in der Lok blieben unverletzt.
Erschwerte Rettung: Gleise trennen Einsatzkräfte und Verletzte
Als die Freistätter Feuerwehr um 14.10 Uhr unter der Leitung von Gruppenführer Nils Enders am Unfallort eintraf, standen die Retter zunächst vor einem logistischen Problem: Der stehende Zug blockierte den direkten Zugang zum verunglückten Bus. Rettungswagen und ein Hubschrauber waren auf der Freistätter Seite der Gleise im Einsatz, während sich der schwer beschädigte Bus und die verletzten Insassen auf der gegenüberliegenden Heimstätter Seite befanden.
In einer aufwendigen Aktion wurde die schwer verletzte Schülerin in einer Schleifkorbtrage unter dem Zug hindurch manövriert und auf der anderen Seite dem Rettungsdienst übergeben. Weitere Verletzte konnten auf dem direkten Weg versorgt werden, nachdem zusätzliche Rettungskräfte über Zufahrtswege zur Heimstätter Seite geleitet wurden.
Unfallursache weiter unklar – Schulbetrieb mit Seelsorgeangebot
Zur genauen Ursache des Unfalls konnten die Ermittler bislang noch keine abschließenden Angaben machen. Der betroffene Bahnübergang ist unbeschrankt, aber mit entsprechender Beschilderung und Warnsystemen versehen. „Am Zug entstand nur geringer Sachschaden, der Bus hingegen wurde massiv beschädigt“, teilte ein Polizeisprecher mit.
Vor Ort war auch Pastorin Gunda Hansen, die sich um die seelsorgerische Betreuung von Schülern, Lehrkräften und Angehörigen kümmerte. Sie wird auch in den kommenden Tagen Ansprechpartnerin bleiben. Der Schulverbund Freistatt hat angekündigt, den Unterricht am Mittwoch aufrechtzuerhalten – nicht zuletzt, um Raum für Gespräche und gegenseitige Unterstützung zu bieten. Den Schülern soll die Möglichkeit gegeben werden, das Geschehene gemeinsam zu verarbeiten

