Header Benjamin im Radiostudio

Der Weg von Benjamin

Seit über 2 Jahren werden Radio­hö­re­rinnen und Radio­hörer in und außerhalb Bremens des Senders radioweser.tv einmal pro Woche mit der Sendung "Bürger­radio Freistatt" verwöhnt. Vor genau 14 Tagen, am 19. Juni 2024 wurden die treuen Hörer Zeuge einer beson­deren Ausgabe. Moderator Benjamin Kruse, der zugleich sende­ver­ant­wort­lich sowie in der Technik zuständig ist, hatte einen beson­deren Gast im Studio. Benjamin Bodemann aus Freistatt kam zur Sendung und zum Interview, um aus seinem bewegten Leben hier in Freistatt zu erzählen. Wer heute frisch nach Freistatt kommt, kennt Benjamin Bodemann besten­falls als "den Jungen vom Markt". Das ist ja erst Mal nichts negatives, denn es beweist, wie der heute 38jährige eine Struktur gefunden hat, um im Leben wieder ange­kommen zu sein.

Doch wer den Auftritt von Benjamin bei Benjamin verfolgt hat, weiß, welchen Weg er gehen musste, um da zu sein, wo er heute ist. Benjamin Bodemann kam bereits im Alter von 25 Jahren nach Freistatt in die Wieder­ein­glie­de­rungs­maß­nahme. "Er war jung und verprasste das Geld", gab er reumütig zu. Es waren zwar finan­zi­elle Mittel vorhanden, doch statt Miete zu zahlen, zog er aus jugend­li­cher Uner­fah­ren­heit andere Ausgaben vor. Da Vermieter selten nach Beweg­gründen fragen, weshalb die Mieten unpünkt­lich bis gar nicht bezahlt werden, und statt­dessen ihre recht­li­chen Mittel als Konse­quenz bemühen, geriet Benjamin schon als junger Mann in die Wohnungslosigkeit.

Durch das fehlende Obdach kam er 2011 nach Freistatt. Wollte er das wirklich? Hätte er seinen Kind­heits­er­in­ne­rungen zu diesem Zeitpunkt mehr Glauben geschenkt, hätte er um die Diakonie wohl eher einen großen Bogen gemacht. Denn als Benjamin ein kleiner Junge war, und sich eben halt auch mal als Junge benahm, wurde ihm bereits vom Eltern­haus mit "Freistatt" gedroht. Zudem Zeitpunkt wussten wenige, dass Freistatt nicht mehr dass Umer­zie­hungs­lager für Schwer­erzieh­bare Kinder und Jugend­liche war. Den Tipp, nach Freistatt zu kommen, hatte er von einem Bekannten erhalten, da es eine Möglich­keit wäre, durch aufge­kom­mene Schulden einer drohenden Haft­strafe zu entgehen.

Benjamin nutzte die ersten zwei Monate, um erst Mal in seinem neuen Leben anzu­kommen. Ersten struk­tu­rellen Halt fand der leiden­schaft­liche Fußballer durch den damaligen Sozi­al­ar­beiter Wolfgang Bluhm. Über Bluhm, der selbst in einer Alther­ren­mann­schaft spielte, spielte Benjamin alsbald auch wieder in einem Team mit. Doch juris­ti­sche Sorgen drückten, die Staats­an­walt­schaft verhängte in einem vorhe­rigen Verfahren 1200 Sozi­al­stunden. Benjamins erste beruf­liche Station war der GALA-Bau, in dem er die Auflage innerhalb eines Vier­tel­jahres abar­bei­tete. Der Werdegang nahm Fahrt auf, und Banjamin glaubte, er wäre innerhalb eines Jahres von den Hilfen der Einrich­tung "durch".

Doch schon nach 6 Monaten fragte er erneut an, weil er um seine Tages­struktur fürchtete. Benjamin gab zu, nicht immer der brave Junge von Nebenan gewesen zu sein. Um sein Aggres­si­ons­po­ten­zial in eine gesell­schafts­re­le­vante Bahn zu lenken, halfen ihm die Haus­wirt­schaft vor Ort; zudem begab er sich in Sulingen in die Hände eines Thera­peuten. Offenbar begriff er, um ein sozia­leres Auftreten reiche die Arbeit im GALA-Bau nicht mehr aus. Er arbeitete für 2 Jahre unter den Augen der unver­ges­senen Gaby Bieber im Ritter­saal sowohl in der Küche, aber auch als Bedienung. Hier machte er zum ersten Mal Erfahrung damit, was es bedeutet, nicht nur mit Kunden freund­lich zu kommunizieren.

Benjamin gewann auch dort immer mehr an Selbst­be­wusst­sein, auch durch die spätere Arbeit in einer Verpa­ckungs­an­lage, und seit ein paar Jahren eben im Einkaufs­markt hier in Freistatt. "Früher war ich ein Unru­he­herd. Doch ich kam nach eigener Einsicht wieder zu dem Punkt, an dem ich anfing, mein Leben wieder selbst zu orga­ni­sieren. Mit dieser Haltung war es erst möglich, im Markt mitzu­ar­beiten", sagt Benjamin heute. Seit einiger Zeit engagiert sich der heutige Alther­ren­fuß­baller zudem in der Bewohnervertretung.

Es ist fiel passiert bei dem einst 25jährigen, seit er vor 13 Jahren nach Freistatt gekommen ist. Das tolle an Freistatt ist ja, dass man immer die Chance hat, wieder ins Leben zurück zu kehren. Benjamin ist ein Beispiel von vielen, wie es gehen kann, wenn man sein Schicksal selbst mit manö­vriert. Heute ist Benjamin, zu dem viele aufschauen. Aber ohne – wie er es in seiner Anfangs­zeit "hin und wieder" mal tat, auf andere herab zu sehen. Und nur so funk­tio­niert Gemein­schaft überall.