Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hat zum Frauentag 2025 folgende Pressemitteilung herausgegeben, dir wir hier gerne veröffentlichen:
PRESSEMITTEILUNG (Berlin, 07.03.2025)
Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2025
Die Scham muss die Seite wechseln!
BAG Wohnungslosenhilfe (BAG W) fordert
von der Bundesregierung gezielte Maßnahmen
zur Überwindung weiblicher Wohnungslosigkeit
Wohnungslosigkeit trifft Frauen* anders. Frauen* leben oft in verdeckter Wohnungslosigkeit. Sie
sind damit unsichtbar, aus Angst, aus Scham.
Es sind nicht die wohnungslosen Frauen*, sondern Gesellschaft und Politik, die sich schämen sollten.
Die Scham muss die Seite wechseln!
Wohnungslosigkeit trifft Frauen anders
Wohnungslose Frauen* leben seltener ohne Unterkunft auf der Straße. Sie suchen stattdessen
Schutz in prekären Mitwohnverhältnissen bei Freund:innen oder Bekannten, gehen
Zweckbeziehungen ein oder kehren in gewaltvolle Lebensumstände zurück, um nicht obdachlos
zu sein.
Diese Strategien verdeutlichen einerseits die Selbsthilfekräfte wohnungsloser Frauen*,
andererseits macht es ihre extrem prekäre Situation häufig für Gesellschaft, Politik und das
Hilfesystem unsichtbar.
Zahlen und Fakten:
- Mindestens 220.000 Frauen* in Deutschland, so der Wohnungslosenbericht 2024 der
Bundesregierung, sind wohnungslos – viele von ihnen leben mit ihren Kindern in
Notunterkünften oder in verdeckter Wohnungslosigkeit. - Mietschulden, Gewalt in der Partnerschaft oder Herkunftsfamilie, Trennung, wirtschaftliche
Abhängigkeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse sind Hauptauslöser weiblicher
Wohnungslosigkeit. - Gewalt ist für viele wohnungslose Frauen* eine alltägliche Realität.
Die Scham als Barriere zu Hilfe
Frauen* versuchen mit vielen Mitteln, nicht als wohnungslos identifiziert und etikettiert zu werden.
Sie meiden aus Angst vor Gewalt und Stigmatisierung gemischtgeschlechtliche Notunterkünfte,
die mehrheitlich von Männern aufgesucht werden. Statt Hilfe in Anspruch zu nehmen, bleiben sie
oft lange in unsicheren, oft gefährlichen Mitwohnverhältnissen.
Forderungen an die neue Bundesregierung
Ilse Kramer, Erfahrungsexpertin im Fachausschuss Frauenkoordination der BAG W sowie
Vertreterin der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen e.V. und der Initiative
Bauen Wohnen Arbeiten e.V., fordert:
„Obdachlose Frauen* wollen keine Schokolade, sondern bezahlbaren Wohnraum. Und zwar nicht bald, sondern jetzt!“
„Die neue Bundesregierung muss endlich handeln und eine gendergerechte Wohnungs- und
Stadtentwicklungspolitik vorantreiben“, so Susanne Hahmann, Vorsitzende der BAG W.
Konkret braucht es:
- Wohnungskontingente für wohnungslose Frauen* und ihre Kinder mit Anbindung an kommunale Versorgungsstrukturen wie Wohnungsunternehmen.
- Eine frauengerechte Stadtentwicklungspolitik, die kostenlose öffentliche Toiletten,
wohnungsnahe Arbeitsplätze sowie Bildungs- und Erholungsmöglichkeiten in den Fokus
rückt.
- Bundesweit geschlechtssensible und spezialisierte Hilfeangebote, darunter Beratungsstellen, wohnbegleitende Hilfen, Tagesaufenthalte und Duschmobile nur für Frauen* und queere Menschen.
Schluss mit der Unsichtbarkeit: Politisch handeln!
„Ein Frauentag im Jahr reicht nicht aus. Die Überwindung weiblicher Obdach- und
Wohnungslosigkeit bis 2030 darf nicht nur einmal im Jahr Thema sein. Die Bundesregierung muss
jetzt handeln!“, so Isabel Schmidhuber, Vorsitzende des Fachausschuss Frauenkoordination in
der BAG W.
Hinweis: Unter Frauen* verstehen wir alle Menschen, die sich als weiblich identifizieren.
Bei Fragen wenden Sie sich an
Annika Maretzki (sie / ihr)
Fachreferentin Frauen
BAG Wohnungslosenhilfe
BAGW.de
Weitere Links
Ergänzend zum Thema wohnungslose Frauen möchten wir auch noch auf folgende Webseiten verweisen:
- Gefährliche Abhängigkeit (Jungle.world-Artikel vom 06.03.2025)
Obdach- und wohnungslose Frauen als Opfer sexualisierter Gewalt - BAG Wohnungslosenhilfe
Hilfen für Frauen in Wohnungsnot – Übersichts-Webseite



