BAG Wohnungslosenhilfe - Statistik-Bericht 2025

BAG Wohnungs­lo­sen­hilfe: Wohnungsnot Statistik 2025

Die BAG Wohnungs­lo­sen­hilfe e.V. hat am 21. August 2025 einen neuen Statis­tik­be­richt zur Wohnungsnot veröf­fent­licht. Schwer­punkt sind diesmal erwerbs­tä­tige Personen und Familien, die immer häufiger von Wohnungsnot betroffen sind.

BAG Wohnungslosenhilfe - Statistik-Bericht 2025
BAG Wohnungs­lo­sen­hilfe – Statistik-Bericht 2025

Wir veröf­fent­li­chen hier diese Pressemitteilung:

PRESSEMITTEILUNG
Berlin, 21.08.2025

BAG Wohnungs­lo­sen­hilfe veröf­fent­licht Statis­tik­be­richt:
Erwerbs­tä­tige Personen und Familien
immer häufiger von Wohnungsnot betroffen

Die BAG Wohnungs­lo­sen­hilfe (BAG W) veröf­fent­licht heute ihre jähr­li­chen Zahlen und Analysen zur Lage wohnungs­loser und von Wohnungs­lo­sig­keit bedrohter Menschen. Der Bericht gibt Aufschluss über die Situation der Klient*innen der frei­ver­band­li­chen Wohnungs­not­fall­hilfe und offenbart einen besorg­nis­er­re­genden Trend: 13 % aller Klient*innen sind erwerbs­tätig. Beun­ru­hi­gend ist auch der anhaltend hohe Anteil von Familien in der Wohnungs­not­fall­hilfe: 11 % aller erfassten Personen leben 2023 mit mindes­tens einem Kind im Haushalt. Diese Zahlen zeigen, dass Wohnungsnot weit­rei­chende Folgen für Bildung und gesell­schaft­liche Teilhabe hat.

Risi­ko­faktor Migration

Aus dem Bericht geht außerdem hervor, dass insbe­son­dere Menschen ohne deutsche Staats­an­ge­hö­rig­keit stark von Wohnungsnot betroffen sind. Im Berichts­jahr verfügen gut 38 % aller Klient*innen der Wohnungs­not­fall­hilfe über keine deutsche Staats­an­ge­hö­rig­keit – ein neuer Höchststand.

Auffällig ist, dass 20 % der nicht-deutschen Klient*innen trotz Erwerbs­tä­tig­keit weiterhin in Wohnungsnot leben. Unter den nicht-deutschen Klient*innen finden sich auch häufiger Familien (18 %). Betrachtet man nur die Gruppe der nicht-deutschen Frauen, zeigt sich, dass fast ein Viertel
(24 %) allein mit den Kindern lebt. Insgesamt haben 48 % aller weib­li­chen Klien­tinnen einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Auch beim Zugang zur gesund­heit­li­chen Versor­gung zeigen sich gravie­rende Lücken: Im Jahr 2023 verfügten rund 17 % der nicht-deutschen Klient*innen über keinerlei Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz. Bei Unionsbürger*innen liegt dieser Anteil sogar bei 27,5 %.

Wir sehen, dass fehlende Aner­ken­nung auslän­di­scher Abschlüsse, Sprach­bar­rieren und ein einge­schränkter Zugang zu Sozi­al­leis­tungen vielfach zu prekären, teils ausbeu­te­ri­schen Arbeits­ver­hält­nissen führen, die den Zugang zu bezahl­barem Wohnraum zusätz­lich erschweren. Dadurch wirkt Migration zunehmend als eigen­stän­diger Risi­ko­faktor für Wohnungsnot“, erklärt Joachim Krauß, Fach­re­fe­rent für Migration bei der BAG W.

Anstieg von Menschen in absoluter Armut

Allge­meine Daten des Statis­tik­be­richts zeigen weitere wichtige Entwick­lungen: Fast drei Viertel der erfassten Klient*innen sind zum Zeitpunkt der Hilfe von Wohnungs­lo­sig­keit betroffen – und verfügen somit nicht über abge­si­cherten Wohnraum. Von ihnen lebt knapp die Hälfte bei Familie, Partner*in oder Bekannten (47,5 %). Diese Beob­ach­tung deckt sich mit Praxis­er­fah­rungen: Viele betrof­fene Menschen versuchen zunächst, aus eigener Kraft eine Lösung zu finden.
Anstei­gend seit 2013 lebt nunmehr über ein Drittel in absoluter Armut. Das bedeutet, dass diese Menschen keinerlei finan­zi­elle Unter­stüt­zung erhalten. Bei den unter 25-Jährigen akut wohnungs­losen Personen betrifft dies sogar 45 %, die über kein eigenes Einkommen verfügen.

Wohnungs­lo­sig­keit hat viele Gesichter – Was folgt daraus?

Die BAG W fordert einen deut­li­chen Ausbau des sozialen Wohnraums, um Wohnungs­lo­sig­keit wirksam bekämpfen zu können. Zudem braucht es einen stärkeren Fokus auf präven­tive Maßnahmen, um Wohnungs­ver­lust früh­zeitig zu verhin­dern. Ein zentraler Punkt ist außerdem der unein­ge­schränkte Zugang zu Hilfen, der unab­hängig vom Aufent­halts­status der betrof­fenen Personen gewähr­leistet sein muss.

Wir brauchen gezielte, migra­ti­ons­sen­sible Angebote in der Wohnungs­lo­sen­hilfe und einen diskri­mi­nie­rungs­freien Zugang zum regulären Wohnungs­markt“, fordert Susanne Hahmann, Vorsit­zende der BAG W. „Aber das allein reicht nicht. Solange es in Deutsch­land keinen ausrei­chenden Bestand an bezahl­barem Wohnraum gibt, wird es auch keine wirksame Bekämp­fung von Wohnungs­lo­sig­keit geben.“

Wir müssen uns bewusst machen, was Wohnungs­lo­sig­keit für jede einzelne Person bedeutet: den Verlust von Privat­sphäre, Stabi­lität, Sicher­heit und Gebor­gen­heit. Wenn wir bedenken, dass auch Kinder davon betroffen sind, müssen wir uns fragen, ob wir als Gesell­schaft diesen Zustand wirklich akzep­tieren wollen“, so Sarah Lotties, Fach­re­fe­rentin der BAG W.


Der Statis­tik­be­richt der BAG W

Die BAG W veröf­fent­licht einmal jährlich eine Statistik zur Lebens­lage wohnungs­loser und von Wohnungs­lo­sig­keit bedrohter Menschen. Sie gibt einen Überblick über ihre Situation und stützt sich für das Jahr 2023 auf mehr als 43.000 anony­mi­sierte Daten­sätze aus 237 Einrichtungen.


Bei Fragen wenden Sie sich gerne an:

Berit Pohns
Refe­rentin Presse- und Öffent­lich­keits­ar­beit
Berit­Pohns (at) bagw.de

Joachim Krauß
Stellv. Geschäfts­füh­rung, Fach­re­fe­rent Migration
Joachim­Krauss (at) bagw.de


BAG Wohnungslosenhilfe - Statistik 2025
BAG Wohnungs­lo­sen­hilfe – Statistik 2025

Wohnungsnot

Wir fragen uns als Redaktion, wie oft wir noch dieses Thema weiter in die Öffent­lich­keit trans­por­tieren und beschwören müssen?

Dazu sei noch einmal mit der BAG Wohnungs­lo­sen­hilfe daran erinnert:

Mahnung der BAG Wohnungslosenhilfe - Plakat WOHNUNG_LOS 2023
Mahnung der BAG Wohnungs­lo­sen­hilfe – Plakat WOHNUNG_LOS 2023

Das ist nach wie vor auch 2025 noch ein Vorhaben der EU zur EU-weiten Verbes­se­rung der Lage sozial benach­tei­ligter Menschen, dem sich sowohl die Scholz-Regierung als auch die neue Koalition verpflichtet haben.

Wie unsere Regierung das mit der aktuellen CDU/CSU-Diskus­sion um massive Kürzungen im Sozi­al­be­reich bewirken will, ist uns aller­dings ein Rätsel.

Verant­wor­tungs­volle Sozi­al­po­litik geht anders!“
– das möchten wir Kanzler und Regierung einmal deutlich zurufen!

Und das Verun­glimpfen, unbe­gründet-pauschal-Verur­teilen und den gene­rellen Feindbild-Aufbau von vorgeb­lich „nicht arbeiten wollenden Bürger­geld-Bezie­henden“ dürfte sich auch als Bären­dienst beim Unfrieden-Stiften in unserer Gesell­schaft erweisen.

Unsere Redaktion wird hier weiter über die Themen Sozi­al­staat, Armut, Wohnungsnot und Mieten­wahn­sinn berichten – dieser Hebst dürfte leider zahl­reiche Möglich­keiten dazu bieten.