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Wohnungs­lo­sen­treffen 2025 – zum Zehnten

In den letzten zwei Wochen haben wir uns natürlich viele Gedanken gemacht, welche Bilanz können wir ziehen. Vom 20. bis zum 26. Juli trafen sich rund 100 Wohnungs­lose bzw. ehemals wohnungs­lose Menschen zum jähr­li­chen Wohnungs­lo­sen­treffen. Im baye­ri­schen Herzog­säg­mühle gab es nun Wohnungs­lo­sen­treffen Nummer 10. Eine runde Zahl, die im Normal­fall als Jubiläum dekla­riert wird. Doch – kann man, ange­sichts des Hinter­grunds aller Betei­ligten eine Veran­stal­tung als Jubiläum bezeichnen? Die Antwort ist klar – Jein. Denn Wohnungs- und Obdach­lo­sig­keit bedeutet erst einmal eine Notlage, die nun mal nicht den Grund zum opti­mis­ti­schen Feiern bietet.

Auf der anderen Seite hat sich seit 2016 enorm viel entwi­ckelt. Aus den Einzel­kämp­fern von einst ist eine Mann­schaft geworden, die unglaub­lich viel in die Wege geleitet hat. Und um zehn Wohnungs­lo­sen­treffen zustande zu bringen, klappt dass nun mal nicht mit Teil­neh­mern, bei der jeder engstirnig seine Sicht der Dinge durch­bringen will. Und Menschen, die in eine Armuts­lage geraten oder gar ihr Obdach verlieren, sind zunächst einmal Menschen, die sich verkrie­chen, um ja nicht mit ihrer Not hausieren zu können.

Die Absicht von 2016 hat sich aber Jahr für Jahr immer mehr durch­ge­setzt. Über arme Menschen zu sprechen galt lange Zeit nicht nur als verpönt, es wurde einfach nicht gemacht. Arme Menschen hatten jahrelang keine Lobby. Doch den Einzel­kämp­fern von einst wurde schnell klar, dass Bewegung stets nur von unten nach oben gelingen kann, und nie umgekehrt. Um etwas zu bewegen, um auf die geson­derte Notlagen einzelner aufmerksam zu machen, braucht Wohnungs­lo­sig­keit, Armut und die Bedrohung von Armut ein Gesicht, einen Namen und damit eine ganz andere Grundlage.

Weil das einige erkannten, wurde aus dem ersten "Sommer­camp" nicht nur ein jähr­li­ches Treffen mit gemein­schaft­li­cher, poli­ti­scher Arbeit; vor sechs Jahren entwi­ckelte sich aus dieser Idee erstmals ein Verein; die Selbst­ver­tre­tung Wohnungs­loser Menschen e.V. Der Verein hat sich seit 2019 auch nicht stoppen lassen, im Gegenteil. Corona, die Inflation sowie die globalen Krisen machten die Existenz des Vereins noch notwen­diger, denn die Exis­tenz­angst spüren immer mehr in diesem Land.

Der fast schon tradi­tio­nelle Vortrag des ehema­ligen Stadt­rechts­di­rektor Karl-Heinz Ruder zur "Ordnungs­recht­li­chen Unter­brin­gung" machte mehr als deutlich, wie sehr sich ganz besonders Berlins Polit­riege immer mehr von der Basis entfernt. Obdachlos gewor­denen Menschen steht noch nicht einmal warmes Wasser laut einer gesetz­li­chen Vorgabe vom März 2024 zu; überhaupt stammen viele Unter­brin­gungs­vor­gaben aus einem Gesetz­blatt, dass zu Zeiten der Weimarer Republik verfasst wurde, aber erschre­ckender Weise immer noch Gültig­keit deswegen besitzt, weil  dieses Gesetz weder korri­giert oder hinfällig korri­giert wurde.

An einem Vormittag wurde deutlich, wie sehr Gesund­heit in Deutsch­land eine Sache des Geld­beu­tels ist. Ein großes Thema war auch die Situation von wohnungslos gewor­denen Familien. Und natürlich das "Zitat". Philipp Amthor, Parla­men­ta­ri­scher Staats­se­kretär, ließ sich Anfang Mai anläßlich des Kirchen­tages in Hannover zu der Äußerung hinreisen, dass im Lande allen Menschen geholfen werde, die "Unver­schuldet" in Not geraten sind. Der Unions­po­li­tiker öffnete somit Tür und Tor zur Diskus­sion, was es braucht schuldig oder unschuldig seine eigene Lebens­si­tua­tion herbeizuführen.

Doch wie lies sich die Woche im Landkreis Weilheim-Schongau bilan­zieren? Es ist vieles gelungen und erreicht worden. Doch die wirt­schaft­liche Entwick­lung, gerade im sozialen Sektor, machen die derzei­tige Aufgabe unendlich. Die Betei­ligten nahmen es genauso ernüch­ternd wie erwartet hin, dass sogar während der Podi­ums­dis­kus­sion darge­stellt wurde, dass ein politisch gesetztes Ziel nicht zu erreichen sei. Der Nationale Akti­ons­plan 2030. Sprich, es wird erwartet, dass es auch am Neujahrstag 2031 Menschen gibt, die hier­zu­lande auf eine würde­volle Unter­brin­gung verzichten müssen. Dennoch, oder gerade deswegen, werden von allen Bewe­gungen den Verant­wort­li­chen im Land, dieses Verspre­chen um die Ohren gehauen.