Willkommen beim Wohnungslosentreffen Freistatt 2017

We are the History – Wir sind Geschichte

Auftaktveranstaltung beim Wohnungslosentreffen Freistatt 2017
Auftakt­ver­an­stal­tung beim Wohnungs­lo­sen­treffen Freistatt 2017

Ein Gast­bei­trag von Sebastian M. Nidwalden.

Vor einigen Jahren übernahm ich den Titel „We are Family“ der Musik­gruppe „Sister Sledge“ für ein Foto, das in einer Ausgabe des Magazins der Straße, dem Stras­sen­feger erschien.Es zeigte meinen Lebens­ge­fährten und mich Arm in Arm in einem Gastraum des „Fisch­laden“ in der Rigaer Straße vor dem Durchgang zum Billi­ard­zimmer. Ein kleiner Junge lugte hinter einer Seiten­mauer mit hervor.

Heute stellt die Berliner „Sieges­säule“ ein nicht-hete­ro­se­xu­elles Magazin in Ihrer Juli­aus­gabe auf der Titel­seite die Frage „Are we Family? Mit dem weiteren Hinweis „was die Community zusam­men­hält“. Der Deutsche Bundestag beschließt die recht­liche Gleich­stel­lung hetero- und homo­se­xu­eller Bezie­hungen. Ich tanzte halbnackt bei Gewitter und strö­menden Regen beim Chris­to­pher-Street-Day-Stra­ßen­umzug.

Jetzt sitze ich im nieder­säch­si­schen Freistatt, beim Wohnungs­lo­sen­treffen 2017, in meinem Über­nach­tungs­zelt. Seit Stunden trommeln Wasser­tropfen auf die Planen.

Willkommen beim Wohnungslosentreffen Freistatt 2017
Will­kommen beim Wohnungs­lo­sen­treffen Freistatt 2017

Am Montag besuchte ich eine Vortrags–  und Diskus­si­ons­ver­an­stal­tung. Dr Stefan Schneider präsen­tierte seine 2016 in Bochum erschie­nene Arbeit über die Wohnungs­lo­sen­treffen 1929, 1981, 1991, und 2016 in Deutsch­land! „Are we History“? Sie lieferte die Diskus­si­ons­grund­lage. Im Vorder­grund standen sehr ehrgei­zige Vorbe­rei­tungs­struk­turen, die viel­fäl­tige Umset­zungs­mög­lich­keiten der Ergeb­nisse eröff­neten.

Die Frage nach empa­thi­schen Orten, Frei­räumen zur Veran­stal­tung solcher Betrof­fe­nen­zu­sam­men­künfte wurde thema­ti­siert.

Auch damals tauchte schon die Frage­stel­lung auf: „Echte Berber“ – wer sind sie?

Auf die Abgren­zung von Obdach­lo­sig­keit zur Wohnungs­lo­sig­keit bei solchen Veran­stal­tungen kam der Referent deutlich zu sprechen.

Schicksal, Soli­da­rität, Abwehr und Verän­de­rung waren Stich­worte, die anregten, die Gedanken weiter kreisen zu lassen.
Die Zukunft könnte weitere Entwick­lung soli­da­ri­scher Struk­turen, auch in einem globalen Rahmen, mit sich bringen.

Vorhan­dene Treffen sollten verstärkt dauerhaft etabliert werden, nach­fol­gende Genera­tionen bereits einen Werk­zeug­kasten zur freien Auswahl über­reicht bekommen. Die Unter­stüt­zung umfasst natürlich auch die Nutz­bar­ma­chung nicht­ma­te­ri­eller Ressourcen, insbe­son­dere entstan­dener Kommu­ni­ka­ti­ons­netz­werke, nicht zuletzt auch um durch gegen­sei­tige Assistenz eine größere Brei­ten­wir­kung mit erhöhter Durch­schlags­kraft zu erzielen.