Vom Sommercamp zur politischen Stimme
Das diesjährige 11. Wohnungslosentreffen in Freistatt hat einmal mehr gezeigt, wie sich die Interessenvertretung von und für wohnungslose Menschen professionalisiert hat. Obwohl das Treffen mit vier Veranstaltungstagen so kurz war wie nie zuvor, erlebten die Teilnehmenden eine intensive und rundum ausgefüllte Woche.
Vom lockeren Treffpunkt zur starken politischen Kraft
Was im Jahr 2016 als „Sommercamp“ – von einem Teilnehmer schmunzelnd als „begleitetes Saufen“ beschrieben – begann, hat sich zu einer ernstzunehmenden Gruppierung mit spürbarem politischen Einfluss gewandelt.
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Stetiges Wachstum: Schon im vierten Jahr gründete sich aus dem harten Kern der Beteiligten der eingetragene Verein Selbstvertretung Wohnunloser Menschen e.V.
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Aktive Gremienarbeit: Die Vorstandssitzung am Auftakttag verdeutlichte das enorme Engagement. Vorstandsmitglied Lutz Schmidt konnte die Vielzahl an besuchten Veranstaltungen kaum aufzählen, während der Verein kontinuierlich neue Mitglieder gewinnt.
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Demokratische Strukturen: Neben traditionellen Programmpunkten wie der Vereinsvorstellung standen in Freistatt auch die Wahlen des neuen Vorstands und der Regionalgruppensprecher im Fokus.
Krise der Mittelschicht und kritische Behörden-Debatten
Die Wohnungsnot ist längst kein Randphänomen mehr. Angleichungsprozesse durch anhaltende Inflation und explodierende Kosten in allen Lebensbereichen treiben zunehmend auch Menschen aus der Mittelschicht in die nackte Existenznot.
Besonders brisant verlief die Podiumsdiskussion über die Chancen und Hürden bei der Vermittlung von Wohnraum:
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Politische Ausweichmanöver: Michael Philipp vom Bundesministerium für Bauwesen geriet bei der Frage nach behördlicher Willkür und der Wirksamkeit von Hilfen stark in Erklärungsnot. Zahlreiche Teilnehmende bezweifelten, ob seine Anwesenheit ausreicht, um die Impulse großer Verbände wie der BAGW, Housing First Bremen oder des Jobcenters Region Hannover wirksam nach Berlin zu tragen.
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Fokus auf Kinder: Ein erschreckender Schwerpunkt lag auf Familien und Kindern in der Wohnungslosigkeit. Kommunaljurist Karl-Heinz Ruder beleuchtete in seinem Vortrag die polizeilich ordnungsrechtliche Unterbringung. Erschütternd bleibt dabei, dass Behörden bei Zwangsräumungen oft keinerlei Rücksicht auf Kinderzimmer nehmen.
Neue Impulse und emotionale Höhepunkte
Neben den politischen Debatten bot das Treffen auch Raum für praxisnahe Vorbilder und emotionale Momente:
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Starke Bewohnervertretungen: Die Vertretungen aus Freistatt und Hannover demonstrierten, wie Bewohner zu echten Partnern zwischen Hilfesuchenden und Sozialarbeitern heranwachsen können – ein nachahmenswertes Modell für andere Einrichtungen.
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Bewegende Berichte: Eindringliche Impulse lieferten Alice Ahlers aus Bremen und Vorstandsmitglied Lucy Bübels. Zudem beleuchtete Tobias Ortmann, Bereichsleiter der Wohnungslosenhilfe, die tiefgreifenden Traumata von Wohnungslosen.
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Gemeinschaft: Neben harten Fakten kam das Miteinander bei einer kirchlichen Andacht und einem interaktiven Improvisations-Theaterstück nicht zu kurz.
Blick nach vorn: Was muss sich bis 2027 ändern?
Bis zum 12. Wohnungslosentreffen 2027 bleibt viel zu tun. Angesichts knapper Kassen und politischer Umbrüche steht für die Initiatoren fest: Deutschland hat die Ressourcen, um allen Menschen würdevoll zu helfen. Die zentrale Botschaft an die Verantwortlichen lautet daher: Wenn gespart werden muss, dann muss dies für alle gelten – damit durch soziale Teilhabe wieder eine echte Gemeinschaft entsteht.
Fotos & Text.: Hari Januschke

