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Burnout 2018 – Der Samstag

Im Gegensatz zum Eröff­nungstag begann Teil II des Burnout-Festivals in Nienburg bereits in der Mittags­zeit. Die Festi­val­planer hatten hier eine tolle Idee. Im Gegensatz zu vielen anderen Festivals, bei der mitunter auch schon in der Mittags­zeit gestartet wird, hattten die Verant­wort­li­chen ein Einsehen mit den Lang­schlä­fern, und starteten statt mit hartem Rock mit einem Singer-Song­writer Block. Da wir zwischen­durch auch mal schlafen müssen, hatten wir bei unserer Ankunft die erste Band, Curious Minds, leider schon verpasst. Entschul­di­gung dafür, wir holen das bei nächster Gele­gen­heit nach.

Aus Hannover reiste Till alias Catch:Firefly an. Ein Mann, eine Stimme, eine Gitarre – und mehr nicht. Und das reichte auch, denn der Künstler hatte eine ganz sanfte Art, das Publikum aus dem Schlaf zu singen. Er singt viel von Trauer, aber mit viel Hoffnung. Er kam als Mann wie ein Bär, und wurde schnell zum Kuschelbär. Ein runder, aber ganz sympa­thi­scher Auftakt.

Dem MSV Duisburg ergeht es in der 2. Fußball-Bundes­liga derzeit ja nicht so gut, sie krebsen im Grau des Tabel­len­kel­lers umher. Buntes kam dennoch aus der rhei­ni­schen Stadt, Die Krauses lobten während ihres Auftritts ihre Heimat­stadt mehrfach. Wer in Duisburg ist, dem fallen auf jeden Fall die vielen Trink­hallen an vielen Stra­ßen­ecken auf. So nennt das geschwis­ter­liche Quartett auch ihren Stil, Trink­hallen-Punk. Das ist verständ­lich, genauso wie ihre deutsch­spra­chigen Texte. Andere würden es deutschen Oldschool-Punk nennen. Trifft beides zu. Oftmals wurde auch die Stras­sen­bahn Duisburgs gelobt. Ist wohl auch besser sie zu nutzen, wenn man länger an der Trink­halle stand. Warum in Duisburg augen­schein­lich haupt­säch­lich Pader­borner getrunken wird, erschloss sich uns auf Anhieb aller­dings eher nicht. Könnte eine Preis­frage sein.

Lukas, Sven, Simon und Niklas aus Hannover sind seit einem Jahr von dem überzeugt, was sie tun. Ihre Mission unter dem kreativen Bandnamen Modell Bianka ist Liebe zu verbreiten und Hass zu bekämpfen. Edith Hancke wäre sicher­lich stolz auf die vier, denn "Modell Bianka" hieß 1951 auch ein DEFA-Spielfilm, in dem sie mitwirkte. Die Band gilt als sehr fleißig, das Resultat ist ehrlicher und hand­ge­machter Sound, der irgendwo zwischen Alter­na­tive und Punk schwebt. Sie selbst nennen es Lovepunk. Auch gut.

Wer sich im Frei­stil­ringen ein wenig auskennt, der weiß, das Catch As Catch Can ein stilis­ti­scher Griff ist, der so ziemlich alles erlaubt. Klingt rau, genauso rau wie der Gara­gen­rock jener gleich­na­migen Band aus Kassel. Keiner der vier Band­mit­glieder lebte bereits in den 60er Jahren; dennoch präsen­tieren sie ihre Sicht, wie sie das wilde Jahrzehnt sehen. In jedem Fall bunt, und mindes­tens genauso  rebel­lisch, wie der ein oder andere 1968 so drauf war. Der guten Laune in Nienburg hat es nicht geschadet und stel­len­weise fühlte man sich tatsäch­lich an sonnigere tage erinnert.

Einige der Bands hätten bequem eine Fahr­ge­mein­schaft bilden können, den mit Boy Adam stand der dritte Act aus Hannover auf der Bühne. Brachialer Hardcore trifft auf ein ein wenig Indie. Und dazu boten die vier aus Nieder­sach­sens Haupt­stadt auch noch eingän­gige Refrains. Seit gut einem halben Jahr ist das erste Album draußen das wurde beim BurnOut 2018 musi­ka­lisch kräftig beworben und auch gefeiert.

Der frühe Abend wurde mit einem laut­starken Quartett einge­läutet. Territion aus Kiel wissen, musi­ka­li­schen Lärm unter­haltsam zu verbreiten. Sie haben sich der Regen-Party des Burnout Festivals 2018 nicht nur angepasst, sie haben gleich ihr fünf­jäh­riges Bühnen­ju­bi­läum mitge­feiert. Ihre halbe Stunde mit schnellem Grindcore verflog genauso schnell wie die einge­streuten Up-Tempo-Nummern der Band. Die Bezeich­nung "Romantic Grindcore" die Sänger Stefan für die eigene Perfor­mance verwen­dete, fanden wir aller­dings so lustig, dass wir noch auf der Heimfahrt darüber lachen konnten. Territion bedeutete im Mittel­alter übrigens das Zeigen der demnächst anzu­wen­denden Folter­in­stru­mente in Rechts­pro­zessen. Super.

Kritiker, aber auch die Band Mudhead selbst, beschreiben ihren Musikstil ein wenig als asozial. Getreu dem Motto, wir machen das, was wir können, zeigen dabei nicht auf Welt­ver­bes­serer oder Poli­ti­kern. Zur Abend­brot­zeit betrat das Quartett genau mit dieser Absicht die Bühne. Es ist dabei nicht immer einfach, Proben­ter­mine zu verein­baren, denn die Mitglieder wohnen allesamt in Nord­deutsch­land verstreut. Nichts­des­to­we­niger kam der Auftritt authen­tisch und über­zeu­gend rüber.

Umstrit­tenes folgte nun aus Asendorf – zumindest wenn man den Bandnamen Contro­ver­sial ins Deutsche übersetzt. Das Quintett spielt seit 5 Jahren Technical Death Metal, und haben schon Auftritte u.a. in Köln und in München gefeiert. In ihren Texten kriti­sieren sie oftmals den mensch­li­chen Verstand, es geht aber auch um die Unsterb­lich­keit an sich. Also eher einfache Themen. Wir hatten ja schon öfter das Vergnügen über Contro­ver­sial schreiben zu können und ähnlich wie bei anderen Bands ist auch hier eine konti­nu­ier­liche Stei­ge­rung zu erkennen. Weiter so. Gerne öfter.

Wer das Programm nur über­flogen hat, der hat mögli­cher­weise geglaubt, die Dire Straits wären zu Gast in Nienburg. Denn laut Fahrplan waren als nächstes Brothers In Arms dran. Damit war aber weder das gleich­na­mige Album oder die Cover Band der Weltstars gemeint, sondern die gleich­na­mige Metal Band aus Hamburg. Mit Selbst­ironie, Spaß und einer gesunden Aggres­si­vität bieten die Fünf aus der Hanse­stadt einde mitreis­sende Bühnen­show, die den seit gefühlten 10 Stunden fallenden Regen komplett ignoriert. Da wagt sich auch das ohnehin schon nasse Publikum zwischen­durch ins Freie und feiert mit. Sicher­lich eines der Ereig­nisse des dies­jäh­rigen Burnout.

Bei Wester­wald denken die meisten sicher­lich an Erholung, an eine schöne bewaldete Gebirgs­land­schaft. Weniger an Death Metal in der Version von Obscure Infinity. Bereits seit 11 Jahren treten die 5 auf, und haben die ein oder andere gesprengte Bühne schon hinter sich. Dieses Mal war Nienburg an der Reihe, um mit Höhe­punkten aus ihren bislang 8 veröf­fent­lichten Alben als Headliner die Weser zu rocken. Und das hat dann auch prima geklappt. Vom immer noch nervenden Wetter mal abgesehen. Inzwi­schen war es dank unter­ge­gan­gener Sonne nicht nur nass, sondern auch kalt. Death Metal Wetter eben. Entweder dir wird warm oder du bist depri­miert. Funk­tio­niert beides.

Den Schluss­punkt des Burnout Festivals 2018 setzten wasch­echte Westfalen. Tyler Leads reisten für dieses Spektakel extra aus Reck­ling­hausen an. Ihre geliebte Heimat­stadt müssen die Fünf dank ihrer Liebe zum Heavy Rock seit ihrer Gründung seit 2016 öfters den Rücken kehren. Sie sind Freunde der Live-Musik, und haben sich in ihrer knappen Karriere hart erar­beitet, wie zahlreich gewonnene Talent­shows beweisen. Dass diese Gewinne nicht zufällig waren, bewiesen sie in Nienburg. Tolle Perfor­mance. In der Mitte des Auftritts haben wir trotzdem wegen drohender Unter­küh­lung die Heimreise nach Freistatt ange­treten.

Das war das erste Burnout Festival, das wir mitge­macht haben, wo das Wetter nicht mitge­macht hat. Also igno­rieren wir den kleinen Ausreißer und freuen uns tüchtig auf das Burnout 2019, welches auch dann wieder den Festi­val­sommer für uns beschließen wird. Ab hier geht es Indoor weiter, nämlich mit dem ersten JoZZ-Konzert nach der Sommer­pause am 6. Oktober.