BAG W - Wohnungslose in Deutschland

BAG Wohnungs­lo­sen­hilfe –
mehr junge wohnungs­lose Menschen

BAG-W-Wohnungs­losen-Statistik 2022

Logo BAG Wohnungslosenhilfe

Zum Tag der Wohnungs­losen am 11.09.2024 erreicht uns eine Pres­se­mit­tei­lung der BAG Wohnungs­lo­sen­hilfe, die sich besorgt zeigt über den wach­senden Anteil junge wohnungs­lose Menschen in Deutschland.

Damit erscheinen die Bemü­hungen der Bundes­re­gie­rung zur Umsetzung des Natio­nalen Akti­ons­plans gegen Wohnungs­lo­sig­keit (NAP) als eine umso größere Heraus­for­de­rung.
(… siehe auch ⏲ unser Countdown dazu ⏲)

Zum Jahres­be­richt zur Lebens­lage wohnungs­loser und von Wohnungs­lo­sig­keit bedrohter Menschen der BAG Wohnungs­lo­sen­hilfe folgt hier die Pressemitteilung:


PRESSEMITTEILUNG
der BAG Wohnungs­lo­sen­hilfe vom 09.09.2024

Wohnungsnot ist auch bei jungen Menschen ein immer größer werdendes Problem! Bundes­ar­beits­ge­mein­schaft Wohnungs­lo­sen­hilfe veröf­fent­licht Jahres­be­richt zur Lebens­lage wohnungs­loser und von Wohnungs­lo­sig­keit bedrohter Menschen

Im Rahmen des dies­jäh­rigen Tags der wohnungs­losen Menschen veröf­fent­licht die Bundes­ar­beits­ge­mein­schaft (BAG W) ihren aktuellen Jahres­be­richt zur Lebens­lage wohnungs­loser und von Wohnungs­lo­sig­keit bedrohter Menschen. In der Auswer­tung des Jahres 2022 stand insbe­son­dere die Situation junger Menschen im Mittelpunkt.

Zentrale Aussagen des Berichts

Aus dem Bericht geht hervor, dass 71 % der Menschen, die in frei­ver­band­li­chen Einrich­tungen und Diensten Hilfe suchen, akut wohnungslos sind. 11 % sind unmit­telbar von Wohnungs­lo­sig­keit bedroht und knapp 4 % leben in unzu­mut­baren Wohn­ver­hält­nissen. Rund ein Drittel der Klient:innen ist weiblich, zwei Drittel sind männlich.
 
Im Vorjahr erreichte der Anteil der Hilfe­su­chenden in Haus­halten mit Kindern – gleich­mäßig verteilt auf Paare mit Kindern und allein­er­zie­hende Haushalte – mit etwa 11 % einen neuen Höchst­stand. Dieser hat sich im aktuellen Berichts­jahr auf hohem Niveau stabi­li­siert. Mit rund 39 % konnte weit mehr als jede dritte Familie, die eine Hilfs­ein­rich­tung aufsuchte, bei Hilfe­be­ginn keine eigene Wohnung vorweisen. 

Auch in Hinblick auf die Staats­an­ge­hö­rig­keit der Klient:innen ist eine Stabi­li­sie­rung fest­zu­stellen: Die Zahl der Personen nicht-deutscher Staats­an­ge­hö­rig­keit schwankt seit 2018 auf gleich­blei­bendem Niveau zwischen 30–34 % (2022: 34 %). Unter den akut wohnungs­losen Menschen ist ein Drittel nicht-deutscher Staats­an­ge­hö­rig­keit (32 %)

Schwer­punkt­thema
Wohnungsnot: Risiken und Lebens­rea­li­täten junger Menschen

Die aktuellen Zahlen der BAG W zeigen, wie sehr Wohnungsnot auch junge Erwach­sene, Jugend­liche und Kinder trifft. Rund 16 % der Klient:innen, die sich in Wohnungs­not­fällen an Einrich­tungen und Dienste freier Träger wenden, sind unter 25 Jahre alt. Besorg­nis­er­re­gend ist, dass fast 13 % der akut wohnungs­losen jungen Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren die Nacht vor Hilfe­be­ginn auf der Straße verbracht haben. Bei den unter 18-Jährigen sind es sogar 16 %.

Unter den jungen Menschen in Wohnungsnot finden sich besonders viele Frauen. Jede vierte wohnungs­lose Klientin ist jünger als 25 Jahre. Unter den männ­li­chen wohnungs­losen Klienten ist jeder sechste unter 25 Jahre alt.

Wohnungsnot bei jungen Menschen erfordert
nied­rig­schwel­lige und ziel­ge­rich­tete Maßnahmen

Die BAG W fordert die Entwick­lung kommu­naler Gesamt­kon­zepte, um eine klare Zustän­dig­keits- und Finan­zie­rung­s­truktur sicher­zu­stellen. Diese Forderung ist besonders wichtig, da die Reform des Kinder- und Jugend­stär­kungs­ge­setzes (KJSG) zwar die Ansprüche junger Menschen gestärkt hat, aber weiterhin Heraus­for­de­rungen bei der Umsetzung bestehen, insbe­son­dere an den Schnitt­stellen zwischen Jugend­hilfe und Sozialhilfe.

Hinter­grund zum Statis­tik­be­richt und zur Erhebung

Seit 1990 werden jährlich Daten von Klient:innen aus den frei­ver­band­li­chen Diensten und Einrich­tungen der Hilfen in Wohnungs­not­fällen im BAG W‑eigenen Doku­men­ta­ti­ons­system zur Wohnungs­lo­sig­keit (DzW) analy­siert. Die wich­tigsten Angaben werden im Statis­tik­be­richt der BAG W erörtert, in jedem Jahr gibt es zudem einen Schwer­punkt­teil, der einen Themen­aspekt des Hilfe­system besonders hervor­hebt. Im aktuellen Berichts­jahr (2022) wurden Daten von über 38.200 Klient:innen aus 227 Einrich­tungen und Diensten der freien Träger ausgewertet.

  • Der Statis­tik­be­richt ist über diesen Link verfügbar.

Hinweis —  … am Ende der BAG-W-Pressemitteilung

Tag der wohnungs­losen Menschen

Zum Tag der wohnungs­losen Menschen hat die BAG W auch in diesem Jahr zu Aktionen im ganzen Bundes­ge­biet aufge­rufen. Das dies­jäh­rige Motto „Gemeinsam mehr erreichen“ soll die Relevanz des gemein­samen, über­grei­fenden Handelns betonen. Darüber hinaus findet am Vormittag des 11. Septem­bers ein parla­men­ta­ri­sches Frühstück im Bundestag statt, in dem aktuelle Fragen zur Über­win­dung von Wohnungs- und Obdach­lo­sig­keit bespro­chen werden.

Die Schirm­herr­schaft hierfür tragen die Bundes­tags­ab­ge­ord­neten
Hanna Stein­müller (Bündnis 90 / Die Grünen) und Brian Nickholz (SPD), die die Veran­stal­tung in Zusam­men­ar­beit mit der BAG W initiiert haben.

Bei Rück­fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Berit Pohns, Refe­rentin Presse- und Öffent­lich­keits­ar­beit (BAG W)

Martin Kositza, Fach­re­fe­rent (BAG W)


Anmerkung unserer Redaktion:

Das sind wirklich besorg­nis­er­re­gende Zahlen, die zu diese Statistik von 2022 von der BAG Wohnungs­lo­sen­hilfe zusam­men­ge­stellt wurden. Hier folgt beispiel­haft ein Torten­dia­gramm aus der PDF-Datei mit der Vertei­lung der betreuten Klient:innen:

BAG W - Wohnungsnotfälle 2022
BAG W – Wohnungs­not­fälle 2022

.
Bei dieser Statistik handelt es sich also um Personen, die sich wegen bestehender oder sich abzeich­nender Wohnungsnot bei der Wohnungs­lo­sen­hilfe gemeldet haben, die also in der Regel auch auf Wohnungs­suche sind.

Zusätz­lich zu diesen Zahlen liefert das statis­ti­sche Bundesamt für den Stichtag 31.01.2024 eine Anzahl von 439.500 Personen, die wegen Wohnungs­lo­sig­keit unter­ge­bracht waren. Davon waren 31% Migrant:innen aus der Ukraine (136.900 Personen). (der Vorjah­res­wert lag bei insgesamt 372.000 Personen in Unterbringungen)

Dazu kommen dann noch mehr als 40.000 Personen, die als obdach­lose Menschen auf der Straße leben und eine nicht genau bekannte Anzahl Menschen, die ohne eigene Wohnung irgendwo unter­ge­kommen sind (oft unter sehr frag­wür­digen Bedin­gungen), die aber prin­zi­piell auch auf der Suche nach einer eigenen Wohnung sind.

Insgesamt fehlen also bezahl­bare Wohnungen für mindes­tens 480.000 Menschen und dieser Bedarf dürfte in den kommenden Jahren noch größer werden.

Dazu fällt uns dann auch noch der Natio­naler Akti­ons­plan gegen Wohnungs­lo­sig­keit ( NAP) ein, mit dem unsere Bundes­re­gie­rung anstrebt, Wohnungs- und Obdach­lo­sig­keit bis 2030 zu überwinden.

Dieser Natio­nalen Akti­ons­plan will damit den Zielen der EU nach­kommen, die Obdach- und Wohnungs­lo­sig­keit in Europa effektiv zu bekämpfen um sie zuletzt in Europa bis 2030 ganz zu überwinden.

(… zurück zum Anfang des Artikels)

Wir werden diese Vorhaben weiter verfolgen und auch künftig mit weiteren Beiträgen zum Thema Wohnungsnot bis 2030 über­winden darüber berichten.

BAG W - Wohnungslose in Deutschland
BAG W – Wohnungs­lose in Deutschland