Wir befinden uns vor Haus Wegwende - der vatertäglichen Kulisse für Kaffee- und Kuchenklatsch. Es war nicht kalt - die Sonne scheint, aber die Jacken wurden auch gebraucht

Wie jedes Jahr an Himmel­fahrt: Jahres­fest in Freistatt

Zum Glück war der Mittwoch halbwegs gnädig; denn einen Tag, bevor die Floh­markt­stände in Freistatt aufgebaut werden konnte, ergoss sich der grau­ge­wor­dene Himmel über den Landkreis. Zum Glück war es über Nacht angenehm trocken, und am Donnerstag zumindest bis zum Nach­mittag regenfrei. Auch dadurch zog das tradi­tio­nelle Jahres­fest an Christi Himmel­fahrt wieder mehrere tausend Besucher in das nieder­säch­si­sche Freistatt. Den fest­li­chen Auftakt bildete ein Freiluft-Gottes­dienst im Sinnes­garten, bei dem Pastorin Andrea Wagner-Pinggéra, Vorstands­mit­glied der v. Bodel­schwingh­schen Stif­tungen Bethel, die Gäste zum Nach­denken einlud: „Lasst uns den Blick weiten – weg vom Alltäg­li­chen, hin zum Himmel ohne Grenzen.“Musikalisch begleitet wurde der Gottes­dienst durch die Posau­nen­mis­sion Bethel, Pianistin Christina Fischer und das humorvoll-musi­ka­li­sche Trio „Arrested Amts­brüder“ mit Uli Preuß, Manni Kehr und „Wölfin“ Christina Wolf.

Frühstart auf dem Flohmarkt – Schätze vor Sonnenaufgang

Ein echtes Paradies für Trödel­lieb­haber boten die über 300 Floh­markt­stände. Bereits in den frühen Morgen­stunden wech­selten erste Fund­stücke die Besitzer. Wie immer waren die aller­ersten noch vor Sonnen­auf­gang mit dem Aufbau beschäf­tigt: Die bunte Auswahl der Frei­zeit­händler reichte von Fußball­schals über Spielzeug bis hin zur MP3 der 1960er/1970er Jahre – die gute alte Lang­spiel­platte. Besonders gelobt wurde das Orga­ni­sa­ti­ons­team um René Jaworski aus dem Bereich Wohnungs­lo­sen­hilfe.

Alte Gemälde, Teppiche, Traum­fänger, jede Menge Nippes für den Wohn­zim­mer­schrank – wer am Vatertag in Freistatt unterwegs war, konnte leichte Ähnlich­keiten zum Istan­buler Basar ausmachen.

Mitmach­spaß, Jonglage und Nostalgie-Bahn

Für Kinder gab es zahl­reiche Spiel- und Mitma­ch­an­ge­bote im Sinnes­garten. Der Puppen­spieler Matthias sorgte ebenso für Begeis­te­rung wie Jongleur Yoolio. Er fand in einen acht­jäh­rigen Jungen sogar einen Nach­wuchs­künstler, als dieser unter Anleitung einen rotie­renden Ball auf dem Finger balancierte.

Großen Zuspruch fand auch die beliebte Feldbahn, die erstmals sowohl Kurz- als auch Lang­stre­cken­fahrten anbot und für nost­al­gi­sches Flair sorgte.

Kulinarik, Literatur und Begegnungen

Kuli­na­risch ließ das Jahres­fest keine Wünsche offen: zum Mittag wurde Erbsen­suppe oder Pizza serviert, Eis zum Nachtisch war ebenfalls im Angebot, und zur Kaffee­stunde versam­melten sich die Besucher vor dem Haus Wegwende beim Café 67, um zwischen zahl­rei­chen Kuchen und Torten die Qual der Wahl zu haben.

Der Lions Club Sulinger Land war mit einem gut sortierten Bücher­stand auch wieder vertreten. Ihr Anliegen: Menschen begegnen, ins Gespräch kommen – auch wenn der Erlös nur zweit­rangig sei.

Soziale Themen im Mittelpunkt

Auch viele Mitar­bei­tende aus den Bethel-Arbeits­be­rei­chen nutzten das Fest zur Vernet­zung. Die Selbst­ver­tre­tung Wohnungs­loser Menschen e.V. betonte einmal mehr, wie sehr das Thema Armuts­be­kämp­fung in das Bewusst­sein aller gehört. Es war wieder ein Beitrag zur sozialen Teilhabe, und damit wieder ein Trend, von dem im neuen Koali­ti­ons­ver­trag wieder einmal nichts steht.  Neben dem Schul­ver­bund waren auch die Einglie­de­rungs­hilfe, die Wohnungs­lo­sen­hilfe und der Bereich Alten­hilfe mit Infor­ma­ti­ons­ständen vertreten.

Musi­ka­li­sches Finale mit Big Band und Berliner Beat

Für musi­ka­li­sche Höhe­punkte sorgten die Big Band Beren­bostel unter der Leitung von Felix Maier sowie die Berliner Brassband „Beat 'n Blow“ mit ihrer Frontfrau Jasmin Graf. Die Mischung aus kraft­vollen Bläser­sounds und unge­bremster Lebens­freude brachte das Publikum zum Tanzen – und rundete ein Fest ab, das Spiri­tua­lität, Gemein­schaft, Krea­ti­vität und Freude auf besondere Weise vereinte.

Leider machte der aktuelle herbst­liche Anstrich des Wetters nur eine kurze Feier­tags­pause. Ein erneuter Regenguss schickte die Besucher früh­zeitig auf den Heimweg. Aller­dings mit bester Laune und Stimmung, die sie sich in Freistatt gegönnt haben – sowie dem Wissen, Frei­luft­ver­an­stal­tungen bleiben wetter­be­dingt immer ein Risiko. Und falls der Wetter­gott hier mitlesen sollte – der nächste Himmel­fahrtstag ist am 14. Mai 2026,