Ansichten über eine Wurst

Seit über 3 Stunden sitze ich auf meinem Platz zum Betteln. Heute ist ein nicht so guter Tag. Da sehe ich, wie mich eine Person anblickt und daraufhin zum Würst­chen­stand geht. Minuten später wird mir eine Bratwurst im Brot gereicht. Eine wirklich nette Geste. Die Person geht weiter. Ich esse das darge­brachte langsam, denn es soll ja eine Weile den Hunger vertreiben. 

Nach dem Essen verstaue ich den Müll um ihn nachher gesammelt in den Mülleimer zu werfen. Als ich meinen Kopf wieder zur Straße wende steht wieder jemand dort und reicht mir eine Bratwurst im Brötchen. Ich bedanke mich erneut und esse. Wieder der gleiche Vorgang : Müll in die Tüte und wieder der Blick zur Straße. In gar nicht so langen Abständen bekomme ich 7 Würstchen im Brötchen. Zwei habe ich bereits verstaut und bin echt satt. 

Als die achte Person vor mir steht lehne ich dankend ab und verweise auf andere Bettelnde, die in Reich­weite sitzen. Die Person schaut mich mit einem bösen Blick an, murmelt etwas unver­ständ­li­ches und geht davon.

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Ich spaziere gemütlich durch die Fußgän­ger­zone. Als ich so nach vorne schaue fällt mein Blick auf einen Obdach­losen, der an seiner Tasche hantiert. „Na Geld geb ich dem bestimmt nicht“ denke ich bei mir und gehe zu einer Brat­wurst­bude in der Nähe. Bestimmt hat der Arme Hunger und ich kaufe eine Bratwurst im Brötchen. Ich gehe auf ihn zu und halte im die Mahlzeit hin. Er schaut mich an und sagt „Nein danke, aber der da vorne hat bestimmt Hunger.“ Ich richte mich wieder auf. 

Was für ein undank­barer Mensch, bestimmt ist der nur auf Geld aus für den nächsten Schluck oder womöglich die nächste Spritze die er sich setzen will, denke ich leise murmelnd und gehe weiter. Bestimmt ist der nächste nicht besser. Enttäuscht esse ich die Bratwurst selbst.

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Wie man den beiden Geschichten entnehmen kann, sieht man hier zwei verschie­dene Ansichten eines Vorgangs. Der Obdach­lose, der gnadenlos über­füt­tert werden soll und die Person, die eigent­lich nur eine gute Tat begehen will.

Was man sehr gut sehen kann ist, dass eine bettelnde Person für einen Vorbei­lau­fenden immer nur eine Moment­auf­nahme darstellt. Wenn man also jemanden sieht, weiss man nicht, wie lange die Person da schon so sitzt und was sie am heutigen Tage schon erlebt hat. 

Natürlich kann es sein, dass die Person zu den Grund­be­dürf­nissen wie Essen und Trinken noch ein Sucht­be­dürfnis hat. Viel­leicht bettelt er auch dafür. Ob man ihm das Geld dafür gibt bleibt auch jedem selbst über­lassen, aber jeder, der schon einmal einen Sucht­druck hatte und ihn aus irgend­wel­chen Gründen nicht befrie­digen konnte, könnte zumindest ein wenig Verständnis für den Bettelnden aufbringen.

Was wäre eine Lösung für das, was da in den beiden Geschichten passiert ist ?

Ganz einfach. Man fragt den Menschen vorher was er brauchen könnte, wenn man demje­nigen aus welchen Gründen auch immer kein Geld geben, aber trotzdem helfen möchte. Viel­leicht bietet sich ja auch eine andere Hilfe an oder man kommt kurz ins Gespräch.

Ganz wie das Motto der Selbst­ver­tre­tung Wohnungs­loser Menschen :“Redet mit uns und nicht über uns.“ möchte ich noch einen Schritt weiter­gehen und es erweitern mit : „Redet mit uns und denkt nicht voreilig über uns.“

Damit kann man den Menschen helfen und es ist nur ein kleiner Schritt mehr als einfach nur vorein­ge­nommen etwas zu vermuten. Ein gutes Mitein­ander durch alle Schichten sollte in jeder Lebens­ge­mein­schaft vorhanden sein und kann jedem ein gutes Gefühl geben.