Während Wien bereits die roten Teppiche für den 70. Eurovision Song Contest ausrollt, wurde Hannover am vergangenen Freitag zum Schauplatz einer leidenschaftlichen Preview-Show. In der Katholischen Akademie des Hauses St. Clemens trafen sich Fans und Experten, um die diesjährigen Beiträge unter die Lupe zu nehmen. Am Ende stand ein Sieger fest, den kaum jemand auf der Rechnung hatte.
Es war ein Abend ganz im Zeichen der europäischen Musikvielfalt. Rüdiger Wala hatte in das Tagungshaus St. Clemens geladen, und rund 100 Zuschauer strömten bei bester Laune in den Saal. Als Moderator fungierte kein Geringerer als „Doktor Eurovision“ Irving Wolther, der erst wenige Tage zuvor in der „NDR-Quizshow“ die „Leuchte des Nordens“ gewonnen hatte und das Publikum gewohnt charmant durch den Abend führte.
Die Wertung: Moldau triumphiert über die Favoriten
Insgesamt wurden alle 35 Songs für Wien präsentiert. Nach der Vorstellung stimmte zunächst eine fünfköpfige Fachjury ab, bevor das Saalpublikum sein Urteil fällte. Die größte Überraschung des Abends: Der moldawische Beitrag „Viva Moldova“ von Satoshi sicherte sich den ersten Platz.
Damit verwies Moldau den eigentlichen Wettfavoriten auf Rang zwei: Der finnische Song „Liekinheitin“, dargeboten von der Geigerin Linda Lampenius und Pete Parkkonen, musste sich mit der Silbermedaille begnügen. Den dritten Platz auf dem Treppchen belegte das Vereinigte Königreich mit dem exzentrischen Titel „Eins, Zwei, Drei“ von Look Mum No Computer.
Für Deutschland verlief der Abend hingegen weniger erfolgreich: Der Song „Fire“, interpretiert von Sarah Engels, schaffte es in der Gunst der hannoverschen Jury und Zuschauer nicht unter die Top Ten.
Ein Abend für den guten Zweck
Neben der Musik stand die Wohltätigkeit im Mittelpunkt. Gegen eine Spende für Gastgeber Rüdiger Wala wurden Snacks und Getränke gereicht. Die Erlöse kommen dem Frühstück für Wohnungs- und Obdachlose in Hannover zugute, das jeden Samstag stattfindet und ein wichtiges soziales Standbein in der Stadt darstellt.
Nostalgie am 70. Jubiläum
Der Termin der Preview war geschichtsträchtig gewählt: Auf den Tag genau 44 Jahre zuvor, am 24. April 1982, gewann Nicole mit „Ein bißchen Frieden“ als erste deutsche Künstlerin den Wettbewerb. Es war ein emotionaler Rückblick in einem Jahr, in dem der ESC sein 70. Jubiläum feiert. Seit den bescheidenen Anfängen 1956 in Lugano hat sich der Wettbewerb zu einem globalen Event entwickelt, das in diesem Jahr in Wien erneut Millionen vor die Bildschirme locken wird. Trotz aller Schwierigkeiten in Europa, von denen der weltweit bedeutendste Wettbewerb nicht verschont bleibt, ist das Festhalten an dieser Gemeinschaft in dieser Zeit wichtiger denn je.
Ausblick für Musikliebhaber
Für Irving Wolther geht das Programm in Hannover sportlich weiter, bevor er selbst nach Wien reist. Am 29. April lädt er zur Vinyl-Sprechstunde in die Stadtbibliothek Hannover ein – ein Muss für alle Schallplatten-Enthusiasten. Am kommenden Samstag, den 2. Mai, folgt im Büro Edgar (Phonos Büro) seine beliebte Serie „Ich höre was, das du nicht siehst“.
Nach diesem gelungenen Preview-Abend im Haus St. Clemens ist eines sicher: Der ESC 2026 in Wien wird spannend wie selten zuvor.

