Flagge von Moldova (wikimedia - PD)

Über­ra­schungs­sieg für Moldau: ESC-Fieber im Haus St. Clemens

Während Wien bereits die roten Teppiche für den 70. Euro­vi­sion Song Contest ausrollt, wurde Hannover am vergan­genen Freitag zum Schau­platz einer leiden­schaft­li­chen Preview-Show. In der Katho­li­schen Akademie des Hauses St. Clemens trafen sich Fans und Experten, um die dies­jäh­rigen Beiträge unter die Lupe zu nehmen. Am Ende stand ein Sieger fest, den kaum jemand auf der Rechnung hatte.

Es war ein Abend ganz im Zeichen der euro­päi­schen Musik­viel­falt. Rüdiger Wala hatte in das Tagungs­haus St. Clemens geladen, und rund 100 Zuschauer strömten bei bester Laune in den Saal. Als Moderator fungierte kein Gerin­gerer als „Doktor Euro­vi­sion“ Irving Wolther, der erst wenige Tage zuvor in der „NDR-Quizshow“ die „Leuchte des Nordens“ gewonnen hatte und das Publikum gewohnt charmant durch den Abend führte.

Die Wertung: Moldau trium­phiert über die Favoriten

Insgesamt wurden alle 35 Songs für Wien präsen­tiert. Nach der Vorstel­lung stimmte zunächst eine fünf­köp­fige Fachjury ab, bevor das Saal­pu­blikum sein Urteil fällte. Die größte Über­ra­schung des Abends: Der molda­wi­sche Beitrag „Viva Moldova“ von Satoshi sicherte sich den ersten Platz.

Damit verwies Moldau den eigent­li­chen Wett­fa­vo­riten auf Rang zwei: Der finnische Song „Liekin­he­itin“, darge­boten von der Geigerin Linda Lampenius und Pete Parkkonen, musste sich mit der Silber­me­daille begnügen. Den dritten Platz auf dem Treppchen belegte das Verei­nigte König­reich mit dem exzen­tri­schen Titel „Eins, Zwei, Drei“ von Look Mum No Computer.

Für Deutsch­land verlief der Abend hingegen weniger erfolg­reich: Der Song „Fire“, inter­pre­tiert von Sarah Engels, schaffte es in der Gunst der hanno­ver­schen Jury und Zuschauer nicht unter die Top Ten.

Ein Abend für den guten Zweck

Neben der Musik stand die Wohl­tä­tig­keit im Mittel­punkt. Gegen eine Spende für Gastgeber Rüdiger Wala wurden Snacks und Getränke gereicht. Die Erlöse kommen dem Frühstück für Wohnungs- und Obdach­lose in Hannover zugute, das jeden Samstag statt­findet und ein wichtiges soziales Standbein in der Stadt darstellt.

Nostalgie am 70. Jubiläum

Der Termin der Preview war geschichts­trächtig gewählt: Auf den Tag genau 44 Jahre zuvor, am 24. April 1982, gewann Nicole mit „Ein bißchen Frieden“ als erste deutsche Künst­lerin den Wett­be­werb. Es war ein emotio­naler Rückblick in einem Jahr, in dem der ESC sein 70. Jubiläum feiert. Seit den beschei­denen Anfängen 1956 in Lugano hat sich der Wett­be­werb zu einem globalen Event entwi­ckelt, das in diesem Jahr in Wien erneut Millionen vor die Bild­schirme locken wird. Trotz aller Schwie­rig­keiten in Europa, von denen der weltweit bedeu­tendste Wett­be­werb nicht verschont bleibt, ist das Fest­halten an dieser Gemein­schaft in dieser Zeit wichtiger denn je.

Ausblick für Musikliebhaber

Für Irving Wolther geht das Programm in Hannover sportlich weiter, bevor er selbst nach Wien reist. Am 29. April lädt er zur Vinyl-Sprech­stunde in die Stadt­bi­blio­thek Hannover ein – ein Muss für alle Schall­platten-Enthu­si­asten. Am kommenden Samstag, den 2. Mai, folgt im Büro Edgar (Phonos Büro) seine beliebte Serie „Ich höre was, das du nicht siehst“.

Nach diesem gelun­genen Preview-Abend im Haus St. Clemens ist eines sicher: Der ESC 2026 in Wien wird spannend wie selten zuvor.