Distra - Burnout Festival - Nienburg - 21.09.2018

Burnout Festival 2018 in Nienburg – Der Freitag

Die Festi­val­saison neigt sich dem Ende zu. Es ist Burnout-Zeit in Nienburg. Und wenn man die grauen Wolken über der Weser sieht, dann weiß man, warum das 25. Burnout Festival das letzte Open Air der Saison ist. Stürmisch war es beim Aufbau, fast hätten die Verant­wort­li­chen das ganze Altstadt­fest, somit auch das Burnout absagen müssen. Glück­li­cher­weise klarte es dann doch noch ein bisschen auf und das Festival an der Weser konnte recht­zeitig um 18:00 Uhr am Freitag beginnen.

Burnout Festival - Nienburg - 21.09.2018
Burnout Festival – Nienburg – 21.09.2018

Distra, eine Band aus dem Nien­burger Umland eröffnet den Reigen beim Burnout Festival 2018. Das Sextett ist in dieser Besetzung noch nie aufge­treten. Da merkt man nix von. Von Beginn an präsent legen Distra mit zwei Sängern und einer amtlichen Mauer aus reinem Sound los. Schnell, brutal, gut. So kann es weiter­gehen. Das Publikum befindet sich leider noch in der Warm-Up Phase, obwohl sich zwischen­durch sogar die Sonne blicken lässt. Der Band ist das komplett wurst. Was wir persön­lich super finden. Und im Laufe des Auftritts wagen sich sogar ein paar Head­banger vor die Bühne. Distra ist auf jeden Fall ein Name, den man sich merken sollte. Immer voraus­ge­setzt, sie schaffen es auch zum zweiten Auftritt. Wir sind gespannt.

Gr:mm kennen wir noch vom letzten Burnout in 2017. Und der Sound ist tatsäch­lich noch ein wenig klarer geworden, die deutschen Texte sind immer noch irgendwo zwischen nach­denk­lich und wütend, dafür aber besser zu verstehen als noch vor einem Jahr. Gr:mm ist gerade auf Herbst­tour, schön dass sie für das Burnout einen Zwischen­stopp einlegen konnten.  Die Braun­schweiger Alternative/Emo Band überzeugt mit einem souve­ränen Auftritt und ist unserer Meinung nach in ihrem Genre auf dem Weg, den Geheim­tipp­status zu verlassen. Musik die live sehr gut rüber­kommt, die man aber auch sehr schön im Auto hören kann. Das ist nicht so häufig. Der Platz füllt sich langsam und von ein paar kalten Böen abgesehen ist das Wetter fast ok.

Als nächstes betreten Travelin Waters, eine Blues-Rock Formation aus Lübbecke die Bühne. Gitar­ren­soli erobern die Festi­val­bühne, darüber die bemer­kens­werte Stimme von Jan-Philipp Sander, die für diese Art von Musik wie geschaffen zu sein scheint. Zwischen den Songs gibt sich die Band sympa­thisch-bescheiden, müssen sie gar nicht, kommt aber trotzdem gut an. Erstaun­lich was da aus der Klein­stadt mit dem lang­wei­ligsten Weih­nachts­markt Nieder­sach­sens heran­wächst. Wirklich toller Auftritt des Quartetts der auch vom immer zahl­rei­cher werdenden Publikum durchaus begeis­tert aufge­nommen wird.

Wir bleiben im Genre, aller­dings wird es deutlich härter dabei. Wenn Travelin Waters die entspannte Reise im Greyhound an den Ufern des Missis­sipi entlang darstellt, dann sind Jaded aus Nienburg die Jungs, die im abge­brannten Auto an der Straße darauf warten, dass sie mit vorge­hal­tener Schrot­flinte zur Heirat im nächsten Hinter­wäld­ler­dorf gezwungen werden. Gut, da kann man auch den Blues kriegen, aber der fällt dann doch in einer deutlich härteren Gangart aus. Wir haben zwar schon etliche Artikel über das Trio geschrieben, und in den meisten davon haben wir erwähnt, dass Jaded von Mal zu Mal besser werden. Weil's stimmt. Und inzwi­schen haben sie sogar Groupies! Für uns das defi­ni­tive Highlight des Abends. Für das inzwi­schen voll­zählig ange­tre­tene Publikum wohl auch. Tolles Konzert.

Zoo Escape kommen aus München und das erwähnen sie auch gerne und oft. In Nord­deutsch­land nimmt man das hin, es versetzt einen aber nicht in Begeis­te­rung. Können sie ja nichts für. Irgendwo muss man ja herkommen. Ihre Musik ist irgendwo zwischen Power-Pop und Punk ange­sie­delt, mit einem gehörigen Schuss 80ger Jahre. Leider schlägt nun das Wetter mit Macht zu. Extrem kalter Regen, gepaart mit eisigem Wind, stellt das Immun­system des Publikums auf die Probe. Selbst Zoo Escape regis­trieren verwun­dert die Ausdauer der frie­renden Zuschauer. In Anbe­tracht der ja noch folgenden Band finde ich den auf das Wetter bezogenen Satz des Sängers: "Ich verstehe nicht, warum ihr noch da seid" aller­dings mehr als flüssig.

Die folgende Band sind The Deadnotes aus Freiburg und wir freuen uns jetzt schon darauf, das Trio mal in Ruhe anzu­schauen, während man nicht gerade schock­ge­frostet wird. Das was wir gehört haben hörte sich richtig gut an, die meiste Zeit waren wir aber besorgt ums Equipment und mit Frieren beschäf­tigt. In der Mitte des Auftritts haben wir dann kollektiv fest­ge­stellt, das wir für Nacht­regen auf Festivals einfach zu alt sind und haben uns auf den Nach­hau­seweg nach Freistatt gemacht, Weicheier, die wir sind. Sorry, aber wir haben mit Timo ja jetzt ein Ex-Redak­ti­ons­mit­glied in Freiburg, da ergibt sich viel­leicht noch mal ein Besuch mit inte­griertem Deadnotes-Konzert.

Samstag geht es weiter und wir freuen uns drauf. Viel­leicht wird es ja sogar trocken. Die Wahr­schein­lich­keit ist leider gering. Aber trotz alledem lieben wir dieses kleine aber feine Festival am Nien­burger Weserufer. Wen inter­es­siert schon das Wetter. Bibber…