Eröffnung der Moorhort-Ausstellung „Freistatt Fuersorge“

Erin­ne­rungs­stätte Moorhort feierlich eröffnet

Ehemaliger Schlafsaal
Ehema­liger Schlafsaal

Am Freitag, den 20.03.2015 wurde in Freistatt die Gedächt­nis­stätte Moorhort in feier­li­chem Rahmen eröffnet.

In verschie­denen wieder herge­rich­teten Räumen lässt sich nun Einblick nehmen in die Leidens­ge­schichte der Fürsor­ge­zög­linge, die hier zwischen 1945 und 1974 gelebt haben.

Ausstel­lung „Freistatt Fürsorge“

Im 1. Stock in Haus Moorhort ist jetzt ein Infor­ma­ti­ons­zen­trum mit verschie­denen Schau­ta­feln und Doku­menten einge­richtet worden, das Aufschluss über den Alltag in den verschie­denen „Fürsorge-Heimen“ Freistatts bis in die frühen 70-er Jahre geben – wobei es nach den Aussagen verschie­dener Zeit­zeugen stre­cken­weise erschüt­ternde Schick­sale gab.

Von den vier bauglei­chen Häusern, die damals die „Zöglinge“ beher­bergten, steht nur noch eines, das Haus Moorhort. Spätes­tens sei 2006 wurde über ein mögliches Museum bzw. eine Gedenk­stätte disku­tiert – auch weil in diesem Jahr das Buch „Schläge im Namen des Herrn“ von Peter Wensierski von der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA) heraus­ge­geben wurde.

Mit Hilfe der Film­ku­lissen zum preis­ge­krönten Film „FREISTATT“, der im Juni 2015 Première haben wird, konnte der Plan nun endlich umgesetzt werden.

Luise Turowski und Frank Kruse (Wohnungslosenhilfe Freistatt)
Luise Turowski,
Frank Kruse
(WLH Freistatt)

Die Geschäfts­füh­rerin der Diakonie Freistatt, Luise Turowski (hier bei der Begrüßung mit Frank Kruse, dem Bereichs­leiter der Wohnungs­lo­sen­hilfe Freistatt), sprach bei der Eröffnung vom Prozess der Aufar­bei­tung und dankte den vielen Helfern, die diesen Prozess über die Jahre hinweg unterstützten.

Frau Turowski wies ausdrück­lich darauf hin, dass es sich beim Haus Moorhort nicht um ein Museum handeln würde, sondern um eine Gedächtnisstätte.

Pastor Ulrich Pohl (Stiftungen Bethel)
Pastor Ulrich Pohl
(Stif­tungen Bethel)

Auch Pastor Ulrich Pohl, der Vorstands­vor­sit­zende der von-Bodel­schwingschen Stiftung Bethel, sprach in seiner Eröff­nungs­rede von der Tiefe der Eindrücke, die man von der Ausstel­lung bekäme. Er sagte, daß das zugefügte Leid sicher­lich nicht wieder­gut­zu­ma­chen wäre, dass Bethel aber dazu stünde, Hilfe zu leisten und auch mit dieser Stätte um Entschul­di­gung zu bitten.

Eine besondere Rolle hätte in diesem Zusam­men­hang das Archiv der v. Bodel­schwingh­schen Stif­tungen Bethel (Haupt­ar­chiv Bethel) gespielt. Durch das Bewahren der entspre­chenden Akten sei es vielen Zöglingen möglich gewesen Ansprüche zu beweisen und eigene Geschichte zu dokumentieren.

Wolfgang Rosenkötter
Wolfgang
Rosen­kötter

Wolfgang Rosen­kötter, ein ehema­liger „Zögling“ in Freistatt, und einer der ersten Forderer und Förderer der Gedächt­nis­stätte arbeitet heute als Vertrau­ens­person innerhalb der Jugendhilfe.

Er begrüßt das Haus Moorhort als Ort der Konfron­ta­tion mit der eigenen Vergan­gen­heit und als Mahnmal dafür, dass die Dinge, die er und seine Leidens­ge­nossen erlebt haben, nie wieder passieren dürfen.

Rüdiger Scholz
Rüdiger Scholz
(Jugend­hilfe FS)

Als Abschluss gab Rüdiger Scholz, der Bereichs­leiter der Kinder‑, Jugend- und Fami­li­en­hilfe von Bethel im Norden einen Einblick in die moderne Jugendhilfe.

Diese sei inzwi­schen durch ein Leis­tungs­ge­setz geregelt, grund­sätz­lich würde man heute Kinder und Jugend­liche in einem gänzlich anderen gesell­schaft­li­chen Kontext wahrnehmen.

Trotzdem müsse der öffent­liche Träger versuchen „mehr Flagge zu zeigen“. Manchmal sollten viel­leicht besser die Eltern unter­ge­bracht werden anstatt ihrer Kinder – dieser Gedanke käme ihm viel zu oft in den Sinn bei seiner täglichen Praxis in der Jugend- und Familienhilfe.

Insgesamt eine sehr sehens­werte Ausstel­lung und ein wichtiges Mahnmal für unseren Umgang mit Erziehung.

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Grup­pen­foto (v.l.n.r.): Frank Kruse, Wolfgang Rosen­kötter, Luise Turowski und Pastor Ulrich Pohl

Wer das Haus Moorhort besich­tigen möchte kann dies nach Anmeldung bei Frau Kammacher unter der Tele­fon­nummer 05448 88250 gerne tun. Voraus­set­zungen gibt es hierfür keine. Frau Kammacher wird sammeln, bis sie eine Gruppe zusammen hat und dann einen Termin vereinbaren.


Foto­ga­lerie zur Moorhort-Eröffnung