Junglandwirtetag 2019 in der DEULAJunglandwirtetag 2019 in der DEULA Nienburg Nienburg

Jung­land­wir­t­etag Nieder­sachsen 2019 in der DEULA Nienburg

Nach einem kurzen Begrü­ßungs­treffen im Kompe­tenz­zen­trum der Deutschen Lehr­an­stalt für Agrar­wirt­schaft (DEULA) in Nienburg, zu dem auch die Sponsoren der Veran­stal­tung ihre Stände aufgebaut hatten, ging es kurz nach Zehn in die großzügig bestuhlte Halle 4, wo die eigent­liche Veran­stal­tung stattfand. „WEITER DENKEN – Klima­wandel und die Folgen für die Land­wirt­schaft“ – so das Thema des dies­jäh­rigen Jung­land­wir­ter­tages. Die mehr als 300 Besucher und Gäste wurden von Viktoria Sophie Möhlenhof, Niklas Behrens und Henrik Brunk­horst vom Vorstand des Jung­land­wirte Nieder­sachsen e. V. begrüßt. Vorab wurde ein kurzes Begrü­ßungs­video gezeigt, das vor allem die verzerrte Wahr­neh­mung der Öffent­lich­keit gegenüber der heimi­schen Land­wirt­schaft sowie das mangelnde Vertrauen der Bevöl­ke­rung zum Thema hatte.

Empfang der Gäste beim Junglandwirtetag 2ß19
Empfang der Gäste beim Jung­land­wir­t­etag 2ß19

In seiner Begrü­ßungs­rede wies Niklas Behrens auf die Verant­wor­tung der Landwirte im Rahmen des Klima­wan­dels hin, bemerkte aber auch, dass nicht alle Forde­rungen an die Land­wirt­schaft, wie sie von Laien formu­liert werden, auch umsetzbar seien. Land­wirt­schaft ohne CO2-Emis­sionen wird es auch in Zukunft nicht geben können.

Niklas Behrens - Vorstand Junglandwirte Niedersachsen e.V.
Niklas Behrens – Vorstand Jung­land­wirte Nieder­sachsen e.V.

Nicht nur die Bemü­hungen der Landwirte, sondern eben auch eine Diskus­sion auf Augenhöhe über die Unver­ein­bar­keit von sich wider­spre­chenden Forde­rungen sei notwendig, so Behrens. Totaler Emis­si­ons­schutz und Offen­ställe oder Humus­aufbau bei gleich­zei­tigem Herbi­zid­verbot sind so nicht machbar, führte Niklas Behrens aus. Hier müssten Kompro­misse gefunden werden, bei aller Konse­quenz in der ökolo­gi­schen Moder­ni­sie­rung der Land­wirt­schaft.

Der erste Redner, Falk Böttcher, vom Deutschen Wetter­dienst, bzw. der Agrar­me­teo­ro­logie Leipzig ist selbst Landwirt. Die Land­wirt­schaft sei nicht nur vom Klima­wandel betroffen, sondern auch Mitaus­löser desselben.

Was heißt eigent­lich Klima­wandel?

Es gehe um die Verän­de­rung der mittleren Verhält­nisse, aber auch um die Häufig­keit der auftre­tenden Extrem­werte. Das einzelne Extrem­wet­ter­er­eignis sei durch die von Menschen gemachte Erder­wär­mung – gerade im warmen Bereich – zweimal wahr­schein­li­cher geworden, so Böttcher. Natürlich ginge das dann auch mit einer Verän­de­rung der Nieder­schlags­mengen und einem vermehrten Auftreten von Stark­regen einher, also einer verän­derten Nieder­schlags­cha­rak­te­ristik.

Die Land­wirt­schaft sei aber nicht nur Mitaus­löser des Klima­wan­dels, sondern könne auch zur Lösung des Problems beitragen, führte der Meteo­ro­loge aus. Das in Zeiten des Klima­wan­dels extrem wichtige Wasser­auf­nah­me­ver­mögen des Bodens steigt zum Beispiel deutlich, wenn weniger gepflügt wird. Tradi­tio­nelles Pflügen beein­träch­tige außerdem die Humusbildung im Boden und verrin­gere dadurch dessen Fähigkeit zur Bindung von CO2.

Falk Böttcher - Deutscher Wetterdienst
Falk Böttcher – Deutscher Wetter­dienst

Die einzelnen Lösungs­vor­schläge, gerade im Bereich der land­wirt­schaft­li­chen Wasser­ver­sor­gung, würden an dieser Stelle zu weit führen, sie sind aber durchaus viel­fältig vorhanden. Sowohl Boden­be­ar­bei­tung als auch Düngung ließen sich weiter opti­mieren, so Böttcher.

Im Anschluss richtete Walter Heidl, der Vize­prä­si­dent des Deutschen Bauern­ver­bandes (DBV), das Wort an die Gäste. Das poli­ti­sche und gesell­schaft­liche Klima wandele sich im gleichen Rahmen, begann Heidl (der auch Präsident des bayri­schen Bauern­ver­bandes ist), mit einer Replik auf die bereits im Flyer und Begrü­ßungs­video der Veran­stal­tung gemachten Aussage. Die Emotio­na­lität der Diskus­sion stehe oft im Gegensatz zu den tatsäch­li­chen Fakten. Die Verant­wor­tung der Landwirte, sowohl in der Boden­be­ar­bei­tung als auch in der Tier­hal­tung stehe außer Frage, aber die Bestim­mungen dürften – gerade auch im fami­liären Klein­be­trieb – nicht zur Exis­tenz­ge­fähr­dung führen.

Heraus­for­de­rungen durch den Klima­wandel

Die Trocken­heit betreffe nicht nur die Land­wirt­schaft, sondern in verschärftem Maße auch die Forst­wirt­schaft. Der Befall durch Borken­käfer werde bei anhal­tender Trocken­heit schnell zur Plage und verur­sache dann massive und auch lang­jährig nach­wir­kende Schäden am Wald. Die erhöhte Misch­wald­be­bauung in der Forst­wirt­schaft könnte hier zur Minderung von Schäden beitragen. Außerdem könnten nach­haltig genutzte Wälder effektiv zum CO2-Abbau beitragen und so einem Klima­wandel entge­gen­wirken, so Vize­prä­si­dent Heidl.

Walter Heidl, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV)
Walter Heidl, Vize­prä­si­dent des Deutschen Bauern­ver­bandes (DBV)

Im Bereich der erneu­er­baren Energien wünschte sich Heidl eine verläss­li­chere Gesetz­ge­bung. Im Bereich des Biodie­sels seien noch deut­li­chere Verbes­se­rungen möglich. Bei der Bioen­ergie gäbe es eine dicke Baustelle, für die Heidl in näherer Zukunft keinen wirk­li­chen Fort­schritt sehe. Auch hier wünschte sich der Vize­prä­si­dent des Deutschen Bauern­ver­bandes eine sach­li­chere und mehr von Fakten geprägte Diskus­sion. Gemeinsam müssten Land­wirt­schaft und Gesell­schaft zur Lösung beitragen, und eine vernünf­tige, sachliche aber auch direkte Öffent­lich­keits­ar­beit würde hier sicher­lich hilfreich sein.

Als dritter Redner betrat Dr. Felix Prinz zu Löwen­stein, der Vorsit­zende des Bund Ökolo­gi­sche Lebens­mit­tel­wirt­schaft e. V., das Podium. Seinen eigenen land­wirt­schaft­li­chen Betrieb habe er mit großem Stolz vor drei Jahren an die nächste Genera­tion weiter­ge­geben, so der Verbands­vor­sit­zende. Er spreche nun also als Altbauer zu den versam­melten Jung­land­wirten.

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein - Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e. V.
Dr. Felix Prinz zu Löwen­stein – Vorsit­zender des Bund Ökolo­gi­sche Lebens­mit­tel­wirt­schaft e. V.

Die Verant­wor­tung der Agrar­wirt­schaft mache nicht vor der eigenen Haustür halt. Gerade in wärmeren Regionen der Welt seien die Auswir­kungen noch extremer und die Heraus­for­de­rungen größer. Als Beispiel nannte zu Löwen­stein die sehr proble­ma­ti­schen Regen­wald­ro­dungen, die für den Anbau von Soja­bohnen dienen würden, um dann für die euro­päi­sche  Futter­mit­tel­pro­duk­tion expor­tiert zu werden. Auch wenn wir morgen aufhören würden, Treib­hausgase zu produ­zieren – eine Vorstel­lung, von der wir weit entfernt seien – sei der bereits ange­rich­tete Schaden dadurch zeitnah nicht zu beheben.

Die Antwort auf die Heraus­for­de­rung des Klima­wan­dels, führte zu Löwen­stein aus, sei die Vielfalt der Boden­nut­zung. Wie bereits Falk Böttcher ausge­führt habe, sei die Kapazität der Wasser­spei­che­rung in den Böden eine wichtige und verbes­se­rungs­fä­hige Ange­le­gen­heit. Der Biolandbau, für den sein Verband stehe, sei davon im gleichen Maße betroffen, wie die Höfe der tradi­tio­nellen Land­wirt­schaft. Leichtere Land­ma­schinen und eine allge­meine Verrin­ge­rung der Achslast könnte dabei der zuneh­menden Verdich­tung des Bodens entge­gen­wirken.

Der weitere Vortrag des Ökolo­gie­spe­zia­listen war dann von infor­ma­tiven aber sehr tech­ni­schen Fragen geprägt, deren Diskus­sion das anwesende Publikum sehr aufmerksam folgte. Zuge­ge­be­ner­massen habe ich dabei nicht alle Zahlen und daraus resul­tie­renden Vorschläge verstanden. Ange­sichts des stel­len­weisen zustim­menden Nickens der Jung­land­wirte um mich herum, ist das aber meiner eigenen Unwis­sen­heit geschuldet.

Ausblick

Durch die Vorträge wurde deutlich, dass die Klima­schutz­maß­nahmen durch die Vorgaben zum Handel von Emis­sionen im Rahmen der euro­päi­schen Klima­ge­setz­ge­bung künftig einen konkreten Preis bekommen werden. Durch die Senkung der Stick­stoff­über­schüsse und die ener­ge­ti­sche Nutzung von Wirt­schafts­dün­gern sowie die Auswei­tung der ökolo­gisch bewirt­schaf­teten Fläche sollte sich die finan­zi­elle Auswir­kung auf den einzelnen land­wirt­schaft­li­chen Betrieb aber deutlich mini­mieren lassen. So sollte neben dem gesamt­öko­lo­gi­schen Aspekt auch eine ökono­mi­scher Anreiz für mehr Nach­hal­tig­keit in der modernen Land­wirt­schaft bestehen.

Schon während der Veran­stal­tung wurden von ehren­amt­li­chen Helfern Fragen im Publikum gesammelt. Im Anschluss an den Vortrag des BÖLW-Vorsit­zenden stellten sich die bishe­rigen Redner einer Podi­ums­dis­kus­sion. Um neue Kulturen ging es da zum Beispiel. Welche Möglich­keiten neuer  Anbaus­orten ergeben sich für den jungen Landwirt? Die Fachleute sahen da zwar Chancen für den Anbau von wärme­be­dürf­ti­geren Pflanzen, wenn Herr Bötttcher auch den Anbau von Oliven­bäumen in Deutsch­land eher skeptisch sah. Die größeren Chancen sahen die Redner aber in der Verbes­se­rung der bereits vorhan­denen Sorten. Eine größere Vielfalt sei aber auf jeden Fall wünschens­wert. Viele alte Frucht­sorten seinen schlicht und einfach in Verges­sen­heit geraten. Viel­leicht zu Unrecht.

Eine Frage, die sich aufdrängte, war, wie sich der Klima­wandel weltweit auswirkt. Gerade die Regionen der Welt, in denen viele ärmere und bevöl­ke­rungs­reiche Länder liegen, sind von den Auswir­kungen der Extem­wet­ter­lagen oft viel härter betroffen als Europa, dessen Norden viel­leicht sogar in der Zukunft von einer geringen Erwärmung profi­tieren wird. Hier wurde klar­ge­stellt, dass wir als Indus­trie­na­tion Verant­wor­tung über­nehmen müssen, auch wenn momentan keine einfachen Lösungen verfügbar seien. Der Ausbau von Projekten nach dem Motto „Hilfe zur Selbst­hilfe“ gerade auch im Bereich der nach­hal­tigen Land­wirt­schaft werde dabei immer ein wichtiger Bestand­teil sein.

v.l.n.r.: Niklas Behrens, Falk Böttcher, Walter Heidl, Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Henrik Brunkhorst
v.l.n.r.: Niklas Behrens, Falk Böttcher, Walter Heidl, Dr. Felix Prinz zu Löwen­stein, Henrik Brunk­horst

Beim anschlie­ßenden Mittags­im­biss gab es auch weiterhin rege Gespräche unter den Anwe­senden, aber auch mit und unter den Vortra­genden. Auch wenn wir als Laien nicht immer alles verstanden haben, bleibt doch zumindest bei dieser Veran­stal­tung der Eindruck, dass sich die Jung­land­wirte  ihren Heraus­for­de­rungen sehr wohl stellen und stellen wollen. In der Zukunft werden wir uns etwas inten­siver mit dieser Thematik beschäf­tigen. Die Hilfe des Jung­land­wir­te­ver­bandes Nieder­sachsen sowie der Jung­land­wirte Diepholz begrüßen wir dabei ausdrück­lich.

Wir danken den Orga­ni­sa­toren, den Sponsoren und der DEULA für die Einladung zu diesem sehr infor­ma­tiven und erhel­lenden Jugend­land­wir­t­etag Nieder­sachsen 2019.

Organisatoren, Helfer und Redner des Junglandwirtetag 2019
Orga­ni­sa­toren, Helfer und Redner des Jung­land­wir­t­etag 2019