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Kultur­sommer macht die Nordsee zur Karibik

Der Kultur­sommer Bremer­haven 2021 – nach Monaten der Lockdowns und des perma­nenten Distanz­hal­tens von 1 Meter 50 Abstand zum Nächsten, gehen die Menschen nicht nur raus und auch aus sich raus; sie gehen vor allem wieder aufein­ander zu. In Bremer­haven selbst ist der Platz geschaffen, auf dem laut einer Initia­tiv­be­we­gung ein Platz der Begegnung werden soll. So unauf­fällig, wie der Zollin­land­platz auf den ersten Blick wirkt, so bedeu­tungs­voll ist er für die Bewohner des Stadt­teils Lehe.

Die Zolli-Initia­tive e.V. will genau das im Blick­punkt behalten, und das, was einst ein Fußball­platz war, soll zum Treff­punkt von Menschen werden, die sich inmitten einer gut zu errei­chenden natür­li­chen Grün­an­lage befindet. Da kam es der Bürger­initia­tive am vergan­genen Samstag ( 10. Juli ) natürlich passend, dass man genau auf diesem Gelände im Rahmen des Bremer­ha­vener Kultur­som­mers 2021 ein Programm statt­finden lies, dass es seines­glei­chen sucht. Wer glaubte, die Seestädter von der Küste könnten nur zu Seemanns­lie­dern von Chanti-Chören schunkeln, der musste sich auf dem Veran­stal­tungs­ge­lände zweimal die Augen reiben. Der Zollin­land­platz wurde für mehrere Stunden zu einer urlaubs­träch­tigen Festivalwiese.

Unter dem Namen "Burning Beans! Reggae Summer in Bremer­haven" sorgten auf der Bühne etliche Künstler dafür, dass die Einhei­mi­schen nicht nur von ihrem, sondern auch mal von weit weg entle­genen Urlaubs­orten träumen durften. Bereits am Eingang erinnerte ein Wegwei­ser­schild daran, dass Jamaika rund 7.500 Kilometer entfernt ist; für die vielen Besucher auf dem Zollin­land­platz war die Insel und einstige britische Kolonie doch sehr nah. Und das Wetter spielte, bis auf ganz wenige Bewöl­kungs­zu­nahmen, mit.

Neben den Tanzbein förderden Klängen, die stun­den­lang auf dem Initi­tiv­platz zu vernehmen waren, gab es weitere Aktionen, wie z.B. Workshops für die ganze Familie. Der Umgang mit dem Kend­o­s­tock gehörte hier als Lehrgang genauso zum Angebot, wie das Erstellen von Skulp­turen aus allen möglichen Uten­si­lien. Mitunter wirkte es genauso mensch­lich wie entartet, aber wie man schon immer wusste, Kunst ist bekannt­lich Ansichts­sache. Die Gäste wurden natürlich auch kuli­na­risch versorgt, auffal­lend war hierbei besonders ein Stand, der die indo­ne­si­sche Küche speziell aus Bali als Imbiss anbot.

Da ja die Reggae­musik nicht nur viele Touristen auf die Regionen in Mittel- und Südame­rika neugierig gemacht hat, sondern der Sound selbst seine Weltreise durch Gehör­gänge aller Kulturen gemacht hat, war die Veran­stal­tung auf dem Zollin­land­platz auch die Gele­gen­heit darauf hinzu­weisen, dass rechtes Gedan­kengut überall auf der Welt fehl am Platz ist. Beim Burning Beans! gab es 3 Stände, die verdeut­lichten, wie viel­fältig diese Welt doch erst durch unsere Unter­schiede wird. Die Initia­tiven "KreAktiv gegen Diskre­mi­nie­rung", "Perspek­tive WIR" sowie "Omas gegen Rechts" warben dafür, bei der Bundes­tag­wahl keine menschem­ver­ach­tenden Rich­tungen einzuschlagen.

Für die Menschen, die ob jung, ganz jung oder jung geblieben, am Samstag gemeinsam gefeiert haben, stellen sich diese Fragen nicht. Gemeinsam erlebten sie Musik, sie tanzten, relaxten, spielten und prosteten sich zu. Und sie hatten Spaß. "Burned Beans!" – eine kultu­relle Veran­stal­tung, die ihren Sinn und Zweck im Rahmen des Kultur­som­mers voll und ganz erfüllt hat. Schade, dass der Kultur­sommer am kommenden Samstag (17. Juli ) schon zu Ende geht.