NHD_Ruhige-Nummern_JoZZ_1170x320px_05-dez-2018

Advents­ka­lender – 5. Dezember
(Ruhige Nummern im JoZZ)

Ruhige Nummern bescheren dem JoZZ besinn­li­ches Flair

Wer heute, 19 Tage vor dem Heiligen Abend, noch nicht so richtig in Weih­nachts­stim­mung gekommen ist, der hätte den Vorabend des 1. Advent in Sulingen verbringen sollen. Neben dem alljähr­lich von Stadt und Initia­tive Sulingen, „Delme“ und der Lebens­hilfe veran­stal­teten Advents­zauber  (über den wir morgen noch ausführ­lich berichten) besuchten wir das JoZZ Sulingen, das am 1.12. ein weiteres Konzert der Ruhigen Nummern im Angebot hatte. Drei Auftritte mit insgesamt 4 Künstlern – und alle Musiker voll­brachten das Kunst­stück, das Publikum zum Zuhören zu bewegen. Wer zu spät kam, der durfte sich mit einem Stehplatz begnügen, so gut besucht war die Veran­stal­tung.

Die Künstler van Grambusch und Rike Mey aus Bremen sowie die Mönchen­glad­ba­cherin Sophie benö­tigten dabei nicht viel; alle begnügten sich mit Akus­tik­gi­tarre und Gesangs­stimme, sowie sehr viel Gefühl.

Zum Start betraten zwei junge Männer mit dem Namen Van Grambusch die Bühne. Dahinter verbirgt sich zum einen Jendrik, der den mutigen Schritt vor zwei Jahren wagte, sich von der Musik zu verab­schieden, die er bis vor knapp zwei Jahren noch in einer Punkband gespielt hatte. Schon während dieser Zeit ist aus dem Bremer ein Song­writer geworden, ohne die einge­übten Songs der Öffent­lich­keit zu präsen­tieren. Der Mut zum Risiko ist sogar noch höher einzu­schätzen, da er seine auf Akustik-Punk Getrimmten Chansons zum großen Teil auf Deutsch singt, daher zählt der Inhalt seiner Botschaften vor Publikum erst recht.

Im JoZZ ging diese Rechnung am Samstag komplett auf. Die ener­gi­sche Stimme, die er im Hardcore gebraucht hat, half, seine Botschaften mehr denn je zu unter­strei­chen. Man bekam bei vielen seiner Songs ein wenig Mitleid; die sehr authen­tisch vorge­tra­genen Stücke handelten sehr oft vom Tren­nungs­schmerz; dabei bringt er an Humor, Freund­lich­keit und sympa­thi­schem Auftreten alles mit, um eine Partnerin glücklich zu machen. Als Ersatz hatte er in Sulingen Posch dabei, der ihn erstmals bei einem Auftritt unter­stützte.

Leider haben wir nicht in Erfahrung gebracht, ob sich im Publikum frisch verhei­ra­tete Paare befunden haben; wenn ja, kam mit dem 2. Act des Abends etwas Passendes. Rike Mey nennt sich gerne Hoch­zeits­sän­gerin Rike. Ihre Leistung ist mit der eines Wedding­pla­ners fast vergleichbar, denn für eine lange Beziehung ist es sicher hilfreich, diese immer neu zu beleben. So wie die Songs der 33-jährigen; eine gut gelaunte Bremerin, die gerne covert, dabei aller­dings die Stücke sehr gut neu arran­giert.

Das ist sicher von Nöten, denn Oasis "Wonder­wall" oder Songs von Coldplay nur auf einer Akkus­tik­gi­tarre zu spielen, erfordert eine eigene Krea­ti­vität. Gelungen ist ihr aber auch, die Melodien an ihre eigene Stimm­farbe anzu­passen. Hierbei wirkte sie mindes­tens genauso gelassen, wie an jenem Tag, als sie in der Schweiz Stra­ßen­musik spielte. Stra­ßen­musik sehen aber die Geset­zes­hüter unserer eidge­nös­si­schen Nachbarn überhaupt nicht gerne, und wollten Rike Mey mit einem Einrei­se­verbot bestrafen. Wie gut, dass hier­zu­lande soviel Talent erlaubt ist, egal, wie die Bühne aussieht.

Den finalen Auftritt des Abends gehört einem fast schon schüch­ternen Mädchen aus Mönchen­glad­bach. Dabei kann die erst 21-jährige Sophie schon so viel erzählen. Seit zehn Jahren spielt sie Gitarre, seit ihrem 14. Lebens­jahr lebt sie ihre Leiden­schaft auf der Bühne aus. Ihre Träume, mit ihren Vorbil­dern auf der Bühne zu stehen, hat sich die Rhein­län­derin ebenfalls schon erfüllt. Außerdem – einige Radio­sender spielen mitt­ler­weile auch ihre Songs. Das besondere daran ist, ihre Songs sind nicht immer Main­stream, dafür haben aber die entspre­chenden Radio­sta­tionen sehr wohl ihre Klasse erkannt.

Das JoZZ erlebte mit Sophies Auftritt eine sensa­tio­nelle Verschmel­zung von Stimme, Instru­ment und Leiden­schaft. Die Art und Weise, wie die Rhein­län­derin ihre Musik umsetzte, war in jeder Hinsicht sehens­wert – und natürlich hörens­wert. Ein Auftritt mit Gänse­h­aut­cha­rakter. Sophie schien sich in Sulingen wohl­zu­fühlen, obwohl sie bei der Einladung irrtüm­li­cher­weise glaubte, der Auftritt wäre in Solingen. Als sie es bemerkte, war das immerhin ein Unter­schied von 240 km Entfer­nung bei der Anfahrt aus Mönchen­glad­bach.

Das JoZZ hat sich mit dieser Inter­pre­ten­aus­wahl selbst über­troffen. Junge Musiker, die ihre Botschaften einem Publikum auf so musi­ka­li­sche Art anpreisen, das ist schon sensa­tio­nell. Wir bedanken uns beim Veran­stalter für einen sehr emotio­nalen Abend. Sehr viel besinn­li­cher konnte die Advents­zeit nicht beginnen.


☃ Übersicht des Frei­stätter Weih­nacht­s­ka­len­ders 2018 ☃